WIdO Prognose: Bis zu 2,1 Millionen Demenzkranke in Deutschland erwartet

von | Juni 16, 2026 | Forschung, Gesundheit

Die Zahl der Menschen mit Demenz in Deutschland wird bei steigender Lebenserwartung bis zum Jahr 2060 deutlich ansteigen. Aktuelle Prognosen rechnen mit bis zu 2,1 Millionen Erkrankten – gegenüber rund 1,3 Millionen heute.

Eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln kommt zu diesem Ergebnis. Mit einem neu entwickelten Mikrosimulationsmodell konnten die Forscher erstmals detaillierte Prognosen bis auf Kreisebene erstellen.

Besonders ausgeprägt fallen die regionalen Unterschiede aus. Während in München für 2060 nur etwa 1,7 Prozent der Bevölkerung betroffen wären, liegt der Anteil im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster bei 6,2 Prozent. Auch das Verhältnis von Demenzkranken zu Erwerbstätigen verschlechtert sich spürbar: Von derzeit 2,6 pro 100 Erwerbstätigen auf bis zu 4,7 im Bundesdurchschnitt – in einzelnen Kreisen sogar auf fast 21.

Ende 2023 lebten insgesamt 1,8 Mio Menschen mit Demenz in Deutschland. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, die zu zwei Drittel mehr Frauen betrifft als Männer. (Credits: pixabay)
Ende 2023 lebten insgesamt 1,8 Mio Menschen mit Demenz in Deutschland. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, die zu zwei Drittel mehr Frauen betrifft als Männer. (Credits: pixabay)

Die Prognosen beruhen auf einer engen Falldefinition und gelten daher als konservative Schätzungen. Durch konsequente Prävention – etwa die gute Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes, Nichtrauchen, mehr Bildung sowie die Vermeidung sozialer Isolation und Hörstörungen – könnten die Fallzahlen jedoch bei 1,3 bis 1,5 Millionen stabilisiert werden.

Professor Ralf Münnich von der Universität Trier, Leiter der Forschungsgruppe MikroSim, betonte die Bedeutung kleinräumiger Modelle für die regionale Versorgungsplanung. Helmut Schröder vom WIdO verwies darauf, dass Präventionsmaßnahmen erhebliche Entlastung für das Gesundheits- und Pflegesystem bringen könnten.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift European Journal of Epidemiology veröffentlicht.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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