Neuer Stoffwechselansatz zur Bekämpfung von Lungenkrebs entdeckt

von | Juni 9, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat einen vielversprechenden therapeutischen Mechanismus gegen Lungenkrebs identifiziert. Der körpereigene Stoff Itaconat kann Makrophagen im Tumormikromilieu umprogrammieren und zugleich das Wachstum von Krebszellen direkt hemmen.

Das Team um Prof. Dr. Rajkumar Savai vom Institut für Lungengesundheit (ILH) und der JLU stellte fest, dass in Lungenkrebstumoren ein Mangel an Itaconat herrscht. Dieser Mangel führe dazu, dass Makrophagen – Immunzellen mit einer Doppelrolle – in eine tumorfördernde Form wechseln. Durch Erhöhung der Itaconat-Konzentration gelinge es, diese Zellen in eine anti-tumorale Form umzuprogrammieren, die das Krebswachstum bremse.

Zusätzlich wirke eine Variante namens Octyl-Itaconat direkt auf die Tumorzellen. Sie blockiere das Enzym G6PD, das für den Energiestoffwechsel der Krebszellen entscheidend sei, und entziehe ihnen damit den nötigen „Brennstoff“ für die Vermehrung.

Die Verteilung des Stoffwechsels prägt die Struktur von Lungentumoren: Durch rote, gelbe und rosa Bereiche lässt sich die räumliche Komplexität im Inneren eines Lungentumors sichtbar machen. Grafik | Quelle: Dr. Aswani Kumar Kotagir
Die Verteilung des Stoffwechsels prägt die Struktur von Lungentumoren: Durch rote, gelbe und rosa Bereiche lässt sich die räumliche Komplexität im Inneren eines Lungentumors sichtbar machen. Grafik | Quelle: Dr. Aswani Kumar Kotagir

Die Ergebnisse zeigten, dass durch gezielte Beeinflussung des Stoffwechsels sowohl das Immunsystem gestärkt als auch die Krebszellen direkt geschwächt werden könnten, hieß es in der Studie. Der Effekt sei auch in menschlichen Lungen-Gewebeproben nachgewiesen worden.

Lungenkrebs gehört weltweit zu den häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen. Das neue Verständnis des Itaconat-Stoffwechsels könnte die Grundlage für neue Medikamente bilden, die den Tumorstoffwechsel aushungern und die körpereigene Abwehr aktivieren.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ veröffentlicht. An der Arbeit waren neben der JLU und dem ILH das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim, das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) und weitere internationale Partner beteiligt. Die Forschung wurde unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Land Hessen und der Europäischen Union gefördert.

Original Paper:

IRG1/itaconate rewires macrophage and lung tumor metabolism through G6PD inhibition: Cell Metabolism

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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