Verlängerte Ausatmung befördert mutigere Entscheidungen

von | Juni 16, 2026 | Forschung, Gesundheit

Eine gezielte Verlängerung der Ausatmung kann das Entscheidungsverhalten beeinflussen. Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben gezeigt, dass diese einfache Atemtechnik die Herzfrequenz senkt und das Gehirn empfänglicher für Belohnungen macht.

Das Team um Professorin Soyoung Q Park ließ 41 gesunde Probanden unter kontrollierten Bedingungen Risikoentscheidungen treffen. Dabei atmeten die Teilnehmer entweder in ihrem natürlichen Rhythmus oder mit verlängerter Ausatmung. Gleichzeitig wurden Gehirnaktivität per funktioneller Magnetresonanztomographie sowie Herzaktivität, Hautleitfähigkeit und Pupillenreaktionen gemessen.

Auswertung der mittels fMRT aufgenommenen Gehirnscans (Symbolbild) | Quelle: David Ausserhofer | Copyright: DIfE
Auswertung der mittels fMRT aufgenommenen Gehirnscans (Symbolbild) | Quelle: David Ausserhofer | Copyright: DIfE

Die Ergebnisse zeigen, dass eine verlängerte Ausatmung zu risikoreicheren Entscheidungen führte. Die Probanden orientierten sich stärker an potenziellen Belohnungen, während die Berücksichtigung möglicher Verluste unverändert blieb. Verantwortlich dafür sind eine erhöhte Aktivität im ventromedialen präfrontalen Kortex und im Precuneus – Regionen, die Herzfrequenzvariabilität und Belohnungsverarbeitung steuern.

Die Studie unterstreicht die enge Verbindung zwischen Körperzustand und kognitiven Prozessen. Atemtechniken könnten künftig als einfache, kostengünstige Methode zur Selbstregulation dienen, etwa bei Entscheidungen unter Stress oder in klinischen Kontexten wie Angststörungen und Depressionen.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Neuron veröffentlicht. Die Forscher planen weitere Untersuchungen, unter anderem zu Auswirkungen auf Ernährungsentscheidungen bei Übergewicht.

Original Paper:

Huang, W., Schmidt, M., Rebollo, I., Molter, F., Pu, M., Keweloh, B., Lam, L. Y., Mohr, P. N. C., Bellucci, G., Röttger, S., Park, SQP: Slow breathing impacts inter-organ dynamics modulating brain function and risk behavior. Neuron 114, 1-10 (2026) [Open Access]
[https://doi.org/10.1016/j.neuron.2026.04.044]


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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