Drohender Kraftstoffmangel: „Wenn das Labor ausfällt, steht die medizinische Versorgung in weiten Teilen still“ 

von | Apr. 22, 2026 | Gesundheit, Politik

DGKL-Vorstand Jan Wolter erklärt im NACHGEFRAGT-Interview die dramatischen Folgen eines potenziellen Kraftstoffmangels für die Labormedizin. Von der Bundesregierung erwartet er Notfallpläne für den Tag X.

Forderte bundesweit als erster den totalen Reset des deutschen Gesundheitssystems: DGKL-Vorstand Jan Wolter. Jetzt folgen auch anderer Akteure mit Vorschlägen. Credits: DGKL
Jan Wolter ist Vorstand der DGKL. Credits: DGKL

MedLabPortal: Herr Wolter, die EU schmiedet Notfallpläne für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs auf Grund des bevorstehenden Kerosinmangels. Hat man die DGKL seitens der EU oder Bundesregierung hinsichtlich der Sicherung der Labormedizin ebenfalls kontaktiert?

Wolter: Mir liegt keine Anfrage vor. Aber es geht bislang nur um Kerosin … 

MedLabPortal: Wie würde sich ein Kraftstoffmangel im Bereich der Labormedizin auf das deutsche Gesundheitssystem auswirken?

Wolter: Die Auswirkungen wären vielschichtig. Das eine ist der Probentransport. Hier ist man weitern auf Diesel und Benzin angewiesen, auch wenn eine Umstellung auf Elektrofahrzeuge im Gang ist. Auch das Personal ist in Teilen vom Auto abhängig und Homeoffice in vielen Fällen eher schwierig. Besonders kritisch sind zudem die Lieferketten: Reagenzien und andere Materialien werden per LKW angeliefert. Steigende Spritpreise dürften daher auch die Logistikkosten erhöhen. Sollte es zu einer Verknappung kommen und Lieferketten dadurch ausfallen, sind die Folgen kaum auszudenken. Wenn das Labor ausfällt, steht die medizinische Versorgung in weiten Teilen still. 

MedLabPortal: Was raten Sie dem BMG in Sachen Resilienzabsicherung der deutschen Labormedizin?

Wolter: Ich erwarte, dass man sich auf entsprechende Szenarien vorbereitet. Wie geht man damit um, wenn nicht mehr ausreichend Kraftstoff zur Verfügung steht? Oder auch wenn die Preise massiv steigen? Für den Fall der Fälle müssen entsprechende Pläne in der Schublade liegen und diese sollte man besser mit der Branche gemeinsam erarbeiten. Denn auch wenn wir uns alle wünschen, dass diese Fälle nie eintreten, das Prinzip Hoffnung ist keine Option. 

MedLabPortal: Vielen Dank für Ihre Zeit.

Die Fragen stellte Vlad Georgescu

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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