Hantavirus: Experten der Universitätsmedizin Essen sehen geringes Risiko für die Allgemeinbevölkerung
Nachdem es auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ zu mehreren Hantavirus-Infektionen und Todesfällen gekommen ist, wurde eine Kontaktperson unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nach Deutschland gebracht und wird vorsorglich medizinisch untersucht. Internationale Gesundheitsbehörden schätzen das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in Europa derzeit als sehr gering ein.
Dr. Roland Schwarzer, Virologe an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, betont, dass eine sachliche Einordnung wichtig sei. Hantaviren seien keine Coronaviren und würden sich grundsätzlich anders verbreiten. Die meisten Hantaviren würden nicht effizient von Mensch zu Mensch übertragen, sondern gelangten typischerweise über infizierte Nagetiere auf den Menschen – etwa durch Einatmen von virushaltigem Staub aus Kot, Urin oder Speichel.
Im aktuellen Fall handelt es sich offenbar um das Andes-Virus, bei dem seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragungen nach engem Kontakt beschrieben wurden. Für die in Deutschland vorkommenden Hantaviren (vor allem Puumala- und Dobrava-Belgrad-Virus) ist eine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung hingegen nicht bekannt.

Übertragung und Symptome
Die Infektion erfolgt meist durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere, insbesondere beim Reinigen von Kellern, Schuppen oder anderen Räumen mit Mäusebefall. Die Symptome treten nach einer Inkubationszeit von meist zwei bis vier Wochen auf und können Fieber, Kopf-, Rücken-, Muskel- oder Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall umfassen. In manchen Fällen kommt es zu einer Nierenbeteiligung. Bei bestimmten amerikanischen Hantaviren können schwere Lungenerkrankungen auftreten.
Behandlung und Schutz
Eine spezifische antivirale Standardtherapie existiert derzeit nicht. Die Behandlung ist vor allem unterstützend und richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Schutzmaßnahmen zielen darauf ab, Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen zu vermeiden. Räume mit möglichem Mäusebefall sollten gut gelüftet, feucht gereinigt und nicht trocken gefegt werden.
Dr. Hannah S. Schwarzer-Sperber, ebenfalls Hantavirusforscherin an der Medizinischen Fakultät, erklärt, dass für die in Deutschland vorkommenden Viren keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung bekannt sei. Bei dem Andes-Virus seien jedoch seltene Übertragungen nach engem Kontakt beschrieben worden. Für enge Kontaktpersonen gelten die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden.
Forschung in Essen
Am universitätsmedizinischen Standort Essen untersuchen die Arbeitsgruppen von Dr. Hannah S. Schwarzer-Sperber und Dr. Roland Schwarzer, wie Hantaviren menschliche Zellen infizieren und welche zellulären Veränderungen sie auslösen. In aktuellen Arbeiten konnten sie zeigen, wie das in Europa relevante Puumala-Virus zelluläre Strukturen verändert, und standardisierte Verfahren für die Testung antiviraler Wirkstoffe etablieren.
Die Forschenden betonen, dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in Europa im aktuellen Zusammenhang sehr gering ist. Dennoch sei eine sachliche Aufklärung wichtig, um Panik zu vermeiden und gezielte Schutzmaßnahmen zu fördern.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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