DIVI fordert flächendeckenden Ausbau der Nachsorge für Intensivpatienten
Viele Menschen leiden noch Monate oder Jahre nach einer intensivmedizinischen Behandlung unter körperlichen, psychischen oder kognitiven Langzeitfolgen. Dennoch fehlen in Deutschland bislang flächendeckende und strukturierte Nachsorgeangebote. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) macht anlässlich des Tags der Intensivmedizin am 18. Juni auf diese erhebliche Versorgungslücke aufmerksam und fordert einen konsequenten Ausbau der Nachsorge für kritisch kranke Patienten.
DIVI-Generalsekretär Professor Alexander Zarbock, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster, erklärte, dass die moderne Intensivmedizin zwar immer mehr schwerstkranke Menschen retten könne. Für einen großen Teil der Betroffenen beginne damit jedoch ein oft sehr langer und beschwerlicher Weg zurück in den Alltag und Beruf. Spezialisierte Nachsorgeambulanzen existierten bisher nur an wenigen Standorten, sodass der tatsächliche Versorgungsbedarf bei Weitem nicht gedeckt werde.

Viele Patienten entwickeln ein sogenanntes Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS). Dieses umfasst körperliche Einschränkungen wie Muskelschwäche, Schmerzen oder Schluckstörungen ebenso wie kognitive Defizite (Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen) und psychische Belastungen wie Angststörungen, Depressionen oder posttraumatische Belastungssymptome. Diese Langzeitfolgen erschweren die Rückkehr in Familie, Beruf und Alltag erheblich.
Die DIVI fordert bundesweit etablierte Strukturen mit einem standardisierten Screening körperlicher, psychischer und kognitiver Beeinträchtigungen spätestens drei Monate nach der Entlassung von der Intensivstation. Darüber hinaus seien gezielt geschulte Hausärzte, PICS-spezifische Rehabilitations- und Physiotherapieangebote, psychoedukative und psychosoziale Unterstützung sowie geförderte Selbsthilfe- und Peer-Support-Strukturen notwendig.
Daten aus der PICS-Ambulanz der Charité – Universitätsmedizin Berlin verdeutlichen den Bedarf: Drei Monate nach Entlassung wiesen 72 Prozent der nachuntersuchten Patienten Einschränkungen in mindestens einem Bereich auf – 51 Prozent körperlich, 47 Prozent psychisch und 31 Prozent kognitiv.
Professor Uwe Janssens, neuer medizinischer Geschäftsführer der DIVI und Direktor der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital Eschweiler, betonte: Gute Intensivmedizin bemesse sich nicht allein am Überleben, sondern auch daran, wie gut die Patienten in ihr früheres Leben zurückfinden. Die DIVI setzt sich daher für eine engere Vernetzung zwischen Intensivstationen, Rehabilitationseinrichtungen, Pflege und hausärztlicher Versorgung ein.
Eine adäquate Nachsorge könne nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern, sondern auch das Langzeitüberleben positiv beeinflussen.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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