Blutwerte beim Blauwal (Balaenoptera musculus)

von | Apr. 22, 2026 | Forschung, Nachhaltigkeit

Buckelwal Timmy hält Deutschland nach wie vor in Atem – doch wie sieht es in Sachen Laborwerten bei Walen aus? MedLabPortal fasst den wissenschaftlichen Stand der Dinge am Beispiel des Blauwals zusammen. Der Blauwal ist das größte Tier der Erde. Blutuntersuchungen bei frei lebenden Blauwale sind extrem selten und technisch hochaufwendig. Deshalb gibt es keine etablierten Referenzwerte (Normwerte) für hämatologische oder klinisch-chemische Parameter dieser Art aus größeren Populationen.

Aktuelle Datenlage

  • Fast alle verfügbaren Blutwerte stammen aus Einzelfällen gestrandeter oder rehabilitierter Tiere.
  • Es existieren keine systematischen Studien mit einer ausreichend großen Stichprobe.
  • Die meisten publizierten Werte beziehen sich auf verwandte Arten wie Buckelwal, Finnwal oder Grindwal, die teilweise als Näherung herangezogen werden.
Timmy muss weiterhin leiden. Symbolbild. Credits: Unsplash
Timmy muss weiterhin leiden. Symbolbild. Credits: Unsplash

Welche Laborparameter sind bei Großwalen besonders aussagekräftig?

Falls Blut gewonnen werden kann, liefern folgende Parameter die wichtigsten Informationen zum Gesundheitszustand:

ParameterAussagekraft
Hämatokrit (Hkt)Sauerstofftransport, Dehydrierung, Anämie
HämoglobinSauerstoffversorgung, Anämie
Leukozyten + DifferentialEntzündung, Infektion, Stressreaktion
ThrombozytenGerinnungsfähigkeit
Harnstoff (BUN) & KreatininNierenfunktion
Leberenzyme (AST, ALT, GGT, ALP)Leberschäden, Ernährungszustand
Elektrolyte (Na, K, Cl)Elektrolythaushalt, Dehydrierung
Gesamteiweiß / AlbuminErnährungszustand, Entzündung
GlukoseStress, Stoffwechsellage

Besonderheiten beim Blauwal

  • Blauwale sind extrem tieftauchende Tiere. Ihr Blutbild ist auf eine sehr hohe Sauerstoffkapazität ausgelegt (hoher Hämatokrit und Hämoglobingehalt).
  • Bei gestrandeten Tieren zeigen Blutwerte häufig Zeichen von Dehydrierung, Stress und sekundären Infektionen.
  • Eine Besonderheit in der Ostsee (wie bei dem aktuellen Fall Timmy, der allerdings ein Buckelwal ist) ist der niedrige Salzgehalt des Wassers, der zu Elektrolytverschiebungen führen kann.

Zusammenfassung
Es gibt derzeit keine validen Referenzbereiche für Blutwerte des Blauwals. Jede einzelne Blutuntersuchung eines Blau- oder Buckelwals ist ein Einzelfall und wird vor allem klinisch (zusammen mit Ultraschall, Verhalten und Hautbefund) interpretiert. Konkrete veröffentlichte Laborwerte von frei lebenden oder frisch gestrandeten Blauwale sind extrem rar.

Falls neue Blutwerte von einem Blauwal publiziert werden, erscheinen sie in der Regel in Fachzeitschriften wie Marine Mammal Science, Journal of Wildlife Diseases oder Berichten von Stranding-Netzwerken.

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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