Was im Blut während der aktuellen Hitzewelle passiert
Während einer Hitzewelle aktiviert der Körper Mechanismen zur Thermoregulation, die das Blut und das Herz-Kreislauf-System erheblich belasten. Diese Prozesse sind gut dokumentiert in physiologischen Studien und epidemiologischen Daten. Sie führen zu Dehydration, Hämokonzentration, erhöhter Blutviskosität und einem prothrombotischen Zustand, was das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse steigert.
Thermoregulatorische Antwort: Vasodilatation und Schwitzen
Der Körper leitet Wärme ab, indem er die Hautdurchblutung stark erhöht (kutane Vasodilatation) und Schweiß produziert. Dies senkt den peripheren Gefäßwiderstand und erfordert eine kompensatorische Steigerung des Herzzeitvolumens (bis zu 2,5-fach), vor allem durch höhere Herzfrequenz. Studien zeigen, dass die Herzfrequenz um 15–40 Schläge pro Minute ansteigen kann, je nach Hitzeintensität.
Gleichzeitig verlagert sich Blut von inneren Organen (splanchnisch und renal) zur Haut, was die Belastung des Herzens weiter erhöht und die Nierenfunktion beeinträchtigen kann.

Flüssigkeitsverlust und Hämokonzentration
Durch starkes Schwitzen entsteht ein Netto-Flüssigkeitsverlust (auch bei Trinkzugang). Dies führt zu einer Abnahme des Plasmavolumens (Hämokonzentration). Eine klassische Studie aus den 1980er Jahren (Keatinge et al.) zeigte bei 6 Stunden Exposition bei 41 °C trotz Wasserzugang einen Gewichtsverlust von ca. 1,83 kg, einen Anstieg der Erythrozyten um 9 %, der Thrombozyten um 18 % und der Blutviskosität um 24 %.
Das Blut wird „dicker“: Höhere Konzentration von Erythrozyten, Thrombozyten, Fibrinogen und Cholesterin. Dies erhöht die Viskosität und begünstigt die Bildung von Thromben. Eine initiale vorübergehende Hämodilution (durch Venodilatation) wird schnell von der Hämokonzentration abgelöst.
Elektrolytverschiebungen und weitere Blutveränderungen
Schwitzen führt zu Verlusten von Natrium, Kalium und anderen Elektrolyten, was zu Imbalancen beiträgt. Diese können Arrhythmien begünstigen. Die Sympathikusaktivierung verstärkt die kardiale Belastung.
Zusätzlich steigt die Gerinnungsneigung (prothrombotischer Zustand) durch höhere Thrombozytenzahl, gesteigerte Gerinnungsfaktoren und Entzündungsreaktionen. Dies erklärt teilweise den Anstieg von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Thrombosen während Hitzewellen, mit einer Latenz von 1–2 Tagen.
Kardiovaskuläre Konsequenzen
- Erhöhte myokardiale Sauerstoffnachfrage bei gleichzeitig möglicher relativer Minderperfusion.
- Dehydration reduziert das zentrale Blutvolumen, was den Schlagvolumen senken und den Blutdruck beeinträchtigen kann.
- Bei vulnerablen Personen (Ältere, Vorerkrankungen) drohen akute Koronarsyndrome, Herzinsuffizienz-Exazerbationen, Arrhythmien oder akute Nierenschäden.
Meta-Analysen und Reviews bestätigen, dass Hitze die kardiale Arbeitslast (Herzfrequenz, Cardiac Output, Rate-Pressure-Product) signifikant steigert.
Evidenzgrundlage und Grenzen
Diese Mechanismen basieren auf kontrollierten Laborstudien (z. B. Klimakammern), physiologischen Messungen (Plasmavolumen, Viskosität, Hämodynamik) und epidemiologischen Beobachtungen (z. B. erhöhte Mortalität während Hitzewellen in London 1976 oder modernen Analysen). Die Effekte sind dosisabhängig von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Dauer, Hydratationsstatus und individuellen Faktoren (Alter, Vorerkrankungen, Medikation).
Zusammenfassung: Während einer Hitzewelle verändert sich das Blut durch Flüssigkeitsverlust und Konzentrationseffekte in Richtung höherer Viskosität und Gerinnungsneigung, bei gleichzeitig massiv gesteigerter kardialer Belastung. Prävention durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mit Elektrolyten), Vermeidung von Anstrengung in der Hitze und Schutz vulnerabler Gruppen ist entscheidend. Dies ist keine individuelle Beratung – bei Symptomen einen Arzt konsultieren.
Redakteur: Vlad Georgescu
Weitere Informationen:
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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