Sepsis-Stiftung kritisiert unzureichende Verwendung des Begriffs Sepsis in Deutschland

von | Juni 4, 2026 | Forschung, Gesundheit

Die Sepsis-Stiftung mahnt eine konsequente Verwendung des Begriffs „Sepsis“ in der öffentlichen Kommunikation, Medienberichten und der Gesundheitspolitik an. Trotz einer WHO-Empfehlung aus dem Jahr 2017 werde die Erkrankung in Deutschland noch immer häufig nicht explizit benannt, was die Wahrnehmung der Krankheitslast erschweren und Prävention sowie Früherkennung behindern könnte.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte ihre Mitgliedstaaten bereits 2017 aufgefordert, den Begriff „Sepsis“ gegenüber Patienten, Angehörigen und in der Öffentlichkeit klar zu verwenden, um das Bewusstsein für diese lebensbedrohliche Komplikation von Infektionen zu stärken. Nach Einschätzung der Sepsis-Stiftung wird diese Forderung in Deutschland bis heute nur unzureichend umgesetzt. In Berichten über schwere Infektionen, Organversagen oder Todesfälle nach Lungenentzündungen, COVID-19, Influenza oder anderen Erkrankungen fehle der Begriff Sepsis häufig.

Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa ist gegen viele Antibiotika unempfindlich und kann zu schweren Lungenentzündungen, Harnwegsinfekten oder einer Sepsis führen. Bild: Empa
Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa ist gegen viele Antibiotika unempfindlich und kann zu schweren Lungenentzündungen, Harnwegsinfekten oder einer Sepsis führen. Bild: Empa

Laut Stiftung verursacht Sepsis in Deutschland jährlich etwa 140.000 Todesfälle, Hunderttausende Langzeitfolgen und Gesundheits- sowie Folgekosten von mehr als 30 Milliarden Euro. Mehr als zwei Drittel der rund 360.000 Überlebenden litten unter langfristigen körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen. Dennoch bleibe die Erkrankung in der öffentlichen Wahrnehmung und gesundheitspolitischen Debatte weitgehend unsichtbar.

Die Sepsis-Stiftung appelliert insbesondere an Medien, Journalistinnen und Journalisten sowie Verantwortliche in der Gesundheitskommunikation, Sepsis explizit zu benennen. Eine klare Benennung könne die Bevölkerung deutlich besser für Prävention, Impfungen, Hygienemaßnahmen und die Früherkennung von Warnzeichen sensibilisieren. Die Stiftung sieht die Medien dabei ausdrücklich als wichtige Partner.

Prof. Dr. Konrad Reinhart, Vorstand der Sepsis-Stiftung, erklärte, die fehlende Nennung von Sepsis sei nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern ein relevantes Hindernis für die Verbesserung der Gesundheitskompetenz und Patientensicherheit. Nur durch eine klare Benennung könne das tatsächliche Ausmaß der Krankheitslast sichtbar werden und die notwendige politische Priorität erhalten.

Die Sepsis-Stiftung setzt sich seit Jahren für die Prävention, Früherkennung und bessere Behandlung von Sepsis ein. Sie war maßgeblich an der WHO-Resolution von 2017 beteiligt und fordert unter anderem einen Nationalen Sepsisplan für Deutschland.

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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