Psilocybin-Therapie zeigt langfristige Wirkung bei therapieresistenter Depression
Eine Behandlung mit Psilocybin in Kombination mit begleitender Psychotherapie kann bei Menschen mit therapieresistenter Depression zu langfristigen Verbesserungen der depressiven Symptomatik führen. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Langzeitnachbeobachtung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der MIND Foundation.
Die depressiven Symptome blieben über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten im Durchschnitt deutlich reduziert. Dies galt auch dann, wenn statistisch berücksichtigt wurde, ob die Teilnehmenden nach der Studienbehandlung erneut klassische Antidepressiva einnahmen. Die Studie gilt als bislang umfassendste Langzeituntersuchung einer klinischen Psilocybin-Studie.
An der zugrunde liegenden EPIsoDE-Studie hatten 144 Patientinnen und Patienten mit therapieresistenter Depression teilgenommen. Für die Langzeitanalyse wurden 126 Personen über sechs und zwölf Monate nachbeobachtet. Alle hatten mindestens eine Behandlung mit 25 mg Psilocybin in Kombination mit psychotherapeutischer Begleitung erhalten.

Die Ergebnisse wurden mit der Hamilton Depression Rating Scale (HAMD17) erfasst. Nach zwölf Monaten lag die durchschnittliche Verbesserung der depressiven Symptomatik bei etwa acht Punkten auf dieser Skala – ein klinisch bedeutsamer Effekt.
Prof. Dr. Gerhard Gründer, Leiter der Abteilung Molekulares Neuroimaging am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit und einer der Letztautoren der Studie, betonte die Relevanz der langfristigen Stabilität der Wirkung. Gerade bei therapieresistenten Depressionen bestehe ein hoher Bedarf an neuen Behandlungsansätzen, die über kurzfristige Verbesserungen hinausgehen.
Erstautorin Lea Mertens, Wissenschaftlerin am ZI, wies darauf hin, dass Psilocybin im Gegensatz zu klassischen Antidepressiva nicht dauerhaft eingenommen werde, sondern in wenigen Sitzungen mit psychotherapeutischer Unterstützung. Die psychotherapeutische Einbettung dürfte eine zentrale Rolle für die langfristige Verarbeitung spielen.
Die Forschenden mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse. Bei der Nachbeobachtung handelte es sich um eine offene Beobachtung ohne zusätzliche Kontrollgruppe über den gesamten Zeitraum. Die Teilnehmenden konnten nach der Studie reguläre Behandlungen in Anspruch nehmen und hatten die Möglichkeit, an einer monatlichen Integrationsgruppe teilzunehmen.
Dr. Michael Koslowski von der Charité – Universitätsmedizin Berlin ergänzte, dass die Erfahrungen während der Behandlung für viele Teilnehmende sehr intensiv gewesen seien. Weitere randomisierte Langzeitstudien seien notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen und die Wirksamkeit im Vergleich zu bestehenden Therapieverfahren zu untersuchen.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics veröffentlicht. Die EPIsoDE-Studie wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Psilocybin wurde ausschließlich unter kontrollierten klinischen Bedingungen und mit intensiver psychotherapeutischer Begleitung eingesetzt.
Original Paper:
Mertens LJ et al. Long-Term Efficacy of Psilocybin with Adjunct Psychotherapy in Treatment-Resistant Major Depression (EPIsoDE): 6- and 12-Month Naturalistic Follow-Up of a Phase 2b Trial. Psychother Psychosom. 2026. DOI: 10.1159/000552272
https://doi.org/10.1159/000552272
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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