Prolin-Methode: Durchbruch bei der Synthese komplexer Arzneimittel
Chemikern der Hebräischen Universität Jerusalem ist ein Durchbruch bei der Synthese komplexer Arzneimittel gelungen. Sie haben eine einfache und milde Methode entwickelt, mit der sich die begehrte Dichloromethyl-Gruppe gezielt an empfindliche Molekülgerüste anbringen lässt. Bisher erforderten solche Reaktionen aggressive Bedingungen mit Schwermetallen oder Strahlung, die häufig die Zielverbindungen zerstörten. Die Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.
Das Team um Dmitry Tsvelikhovsky nutzt die natürliche Aminosäure Prolin als Katalysator. Prolin bindet vorübergehend an α-Enaminone und formt diese in eine präzise dreidimensionale Anordnung, die eine elektrophile Anlagerung von Dichloromethyl-Gruppen unter milden, metallfreien Bedingungen ermöglicht. Die Reaktion verläuft ohne Radikale oder Carbene und nutzt die elektronische Ambivalenz der Moleküle gezielt aus.

Ein zentrales Merkmal ist der eingebaute stereochemisch gesteuerte Selbstkorrektur-Mechanismus. Nur die passende räumliche Konfiguration führt zum gewünschten Produkt, während abweichende Varianten inaktiv bleiben und sich während der Aufarbeitung zurückbilden. Dadurch entsteht ein hochreines und diastereoselektives Ergebnis ohne aufwendige Reinigungsschritte.
Die neue Plattform wurde bereits erfolgreich auf Gerüste angewendet, die für die Synthese von Antibiotika, Naturstoffen und neuroaktiven Verbindungen genutzt werden. Die Forscher sehen darin ein universelles Werkzeug, das die Entwicklung neuer Medikamente deutlich vereinfachen und bislang unmögliche Molekülarchitekturen zugänglich machen könnte.
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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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