Projekt ContraPur: Männer sollen zeitweise unfruchtbar werden

von | Mai 27, 2026 | Forschung, Gesundheit

Forschende der RWTH Aachen, der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Universitäten Bonn, Gießen und Münster arbeiten im neuen interdisziplinären Verbund „ContraPur“ an der Entwicklung einer neuartigen, nicht-hormonellen Verhütungsmethode für Männer. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das von der RWTH Aachen koordinierte Projekt mit rund drei Millionen Euro über drei Jahre.

Das Vorhaben zielt darauf ab, den Spermientransport im Hoden vorübergehend und reversibel zu blockieren. Im Mittelpunkt steht die purinerge Signalübertragung, die durch das körpereigene Molekül ATP ausgelöst wird und Kontraktionen der Muskelzellen um die Samenkanälchen steuert. Diese Kontraktionen sind entscheidend für den Transport reifer, aber noch unbeweglicher Spermien innerhalb des Hodens.

Professor Marc Spehr, Inhaber des Lehrstuhls für Chemosensorik an der RWTH Aachen und Koordinator des Projekts, erklärte, dass ContraPur einen völlig neuen Ansatz in der Verhütungsforschung verfolge. Das Ziel sei eine sichere, reversible und nicht-hormonelle Methode, die Männern neue Möglichkeiten der Familienplanung eröffne und zu einer gerechteren Verteilung der Verantwortung beitrage.

Projekt ContraPur: Männer sollen zeitweise unfruchtbar werden. Symbolbild. Credits: Pexels.com
Projekt ContraPur: Männer sollen zeitweise unfruchtbar werden. Symbolbild. Credits: Pexels.com

Ein zentrales Teilprojekt unter Leitung von Professor Artur Mayerhofer am Biomedizinischen Centrum der LMU beschäftigt sich mit der Entwicklung potenzieller Wirkstoffe. Die LMU-Forschenden führen „Proof of Concept“-Experimente mit menschlichen Hodenzellen (peritubulären Zellen) durch und testen Arzneimittelkandidaten auf ihre Wirkung auf die Kontraktionsfähigkeit dieser Zellen. Das Ziel ist es, neue Erkenntnisse über die Hodenphysiologie zu gewinnen und gezielt Substanzen zu identifizieren, die den Spermientransport vorübergehend unterbrechen können, ohne die Fruchtbarkeit dauerhaft zu beeinträchtigen.

Die Forschenden betonen, dass der neue Ansatz die Hodenphysiologie besser verstehen und langfristig zu einer akzeptierten Alternative zu bestehenden Verhütungsmethoden führen soll. Das Projekt kombiniert molekulare, zellbiologische und pharmakologische Ansätze und zielt auf eine Translation in die klinische Anwendung ab.

Der neue Forschungsverbund reagiert auf den gesellschaftlichen Bedarf nach sicheren, reversiblen und nicht-hormonellen Verhütungsoptionen für Männer. Bisher stehen Männern nur wenige Methoden zur Verfügung, die zudem häufig mit Nebenwirkungen einhergehen oder nicht reversibel sind. ContraPur soll einen Beitrag leisten, die Verantwortung für Verhütung gerechter zu verteilen und die Selbstbestimmung in der Familienplanung zu stärken.

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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