Nachhaltigkeit: Neue Strategie gegen hohen Propofol-Abfall im OP

von | Mai 20, 2026 | Forschung, Gesundheit, Nachhaltigkeit

Mit einer optimierten Dosierungstechnik lässt sich der hohe Propofol-Verwurf im Operationssaal deutlich reduzieren. Das haben Wissenschaftler der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Bonn (UKB) in einer Studie gezeigt. Die Ergebnisse bieten eine praktikable Möglichkeit, Medikamentenabfälle und Kosten in der Anästhesie zu senken.

Propofol ist das am häufigsten eingesetzte intravenöse Hypnotikum. Es ermöglicht eine sanfte Narkoseeinleitung und Aufwachphase und verursacht im Gegensatz zu Inhalationsnarkotika keine direkten Treibhausgasemissionen. Allerdings wird nach Angaben der Bonner Experten zwischen 23 und 50 Prozent des aufgezogenen Propofols ungenutzt verworfen – der größte Anteil am Medikamentenabfall im OP.

Dr. Florian Windler und Dr. Pascal Siegert vom UKB haben untersucht, wie dieser Verwurf verringert werden kann. Ihre Studie, die im „Journal of Clinical Anesthesia“ erschienen ist, zeigt: Der Einsatz einer einzigen Spritzenpumpe für die Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung kann den Propofol-Abfall um 30 bis 50 Prozent senken.

Ökologischen Fußabdruck der Anästhesie senken: (v. li.) Dr. Pascal Siegert und Dr. Florian Windler forschen zu Strategie gegen erhöhten Propofol-Abfall im OP. | Quelle: R. Müller | Copyright: Universitätsklinikum Bonn
Ökologischen Fußabdruck der Anästhesie senken: (v. li.) Dr. Pascal Siegert und Dr. Florian Windler forschen zu Strategie gegen erhöhten Propofol-Abfall im OP. | Quelle: R. Müller | Copyright: Universitätsklinikum Bonn

Noch größeres Potenzial sehen die Forscher in der Target Controlled Infusion (TCI). Bei diesem Verfahren berechnet ein pharmakokinetisches Modell auf Basis individueller Patientendaten wie Gewicht, Alter und Geschlecht die benötigte Propofol-Menge. Simulationen der Bonner Wissenschaftler ergaben, dass TCI eine präzise Vorhersage des Propofol-Bedarfs ermöglicht und damit sowohl Verwurf als auch Spritzenwechsel deutlich reduziert.

Hochrechnungen zufolge könnte ein Krankenhaus mit 15 intravenösen Narkosen pro Tag durch diese Methode jährlich bis zu 2.340 Propofol-Ampullen und rund 16.000 Euro einsparen. Zur Umsetzung stellen die Forscher eine Berechnungstabelle sowie die kostenfreie App „Propofol-Dreams“ zur Verfügung. Eine prospektive klinische Studie zur praktischen Anwendung im OP-Betrieb läuft derzeit.

Die Arbeit ist Teil der Bemühungen des „Green-Teams“ der Bonner Anästhesie, Nachhaltigkeitsprinzipien (Reduce, Reuse, Recycle, Rethink, Research) im Klinikalltag umzusetzen. Die Patientensicherheit bleibe dabei oberste Priorität, betonen die Wissenschaftler.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

X
Ich bin Invi, wie kann ich dir helfen?