Größte genetische Studie zu Angstsymptomen publiziert

von | Juni 11, 2026 | Forschung, Gesundheit

Eine internationale Großstudie mit fast 700.000 Teilnehmenden hat neue Erkenntnisse zu den genetischen Grundlagen von Angstsymptomen geliefert. Die in der Fachzeitschrift „Nature Human Behaviour“ veröffentlichte Untersuchung ist die bislang umfassendste ihrer Art und wurde mit maßgeblicher Beteiligung der Würzburger Universitätsmedizin durchgeführt.

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Jürgen Deckert von der Universität Würzburg identifizierte 74 genetische Positionen, die mit dem Schweregrad von Angstsymptomen zusammenhängen. Davon waren 39 bisher unbekannt. Die Studie betrachtet Angst nicht nur als binäre Diagnose, sondern als Kontinuum von normalen Stressreaktionen bis zu schweren Angsterkrankungen.

Viele der beteiligten Gene sind vor allem im Gehirn aktiv und spielen eine Rolle bei der Kommunikation zwischen Nervenzellen. Dennoch erklären die gefundenen genetischen Varianten nur etwa sechs Prozent der Unterschiede in der Ausprägung von Angstsymptomen zwischen Individuen. Die Wissenschaftler betonen, dass genetische Faktoren mit Umwelteinflüssen, sozialen Kontexten und Lebenserfahrungen zusammenwirken.

Die Arbeitsgruppe PGC Anxiety identifizierte in der genomweiten Assoziationsstudie 74 Positionen im Genom, an denen genetische Unterschiede mit Angstsymptomen in Zusammenhang standen. | Quelle: Daniel Peter | Copyright: UKW
Die Arbeitsgruppe PGC Anxiety identifizierte in der genomweiten Assoziationsstudie 74 Positionen im Genom, an denen genetische Unterschiede mit Angstsymptomen in Zusammenhang standen. | Quelle: Daniel Peter | Copyright: UKW

Die Studie zeigte zudem deutliche genetische Überschneidungen zwischen Angst und anderen Erkrankungen, darunter Depressionen, chronische Schmerzen, Reizdarmsyndrom, koronare Herzkrankheit, Endometriose und Migräne. Polygenetische Risikoscores wurden erstmals auch in nicht-europäischen Bevölkerungsgruppen getestet und erklärten dort nur einen geringen Anteil der Symptomunterschiede.

Jürgen Deckert und seine Kolleginnen Nora Strom und Angelika Erhardt-Lehmann hoben hervor, dass die Ergebnisse ein besseres Verständnis der biologischen Architektur von Angst ermöglichen und langfristig zu gezielteren Präventions- und Behandlungsansätzen beitragen könnten. Die Arbeitsgruppe PGC Anxiety des Psychiatric Genomics Consortium will die Forschung weiter ausbauen.

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