Asthma-Medikament könnte Immuntherapie bei Krebs verstärken
Ein seit Jahrzehnten zugelassenes Asthma-Medikament könnte die Behandlung aggressiver Krebserkrankungen verbessern. US-Forscher haben entdeckt, dass Tumore den Rezeptor CysLTR1 nutzen, um das Immunsystem auszutricksen und Abwehrzellen in Verbündete zu verwandeln. Die Blockade dieses Schalters mit dem Wirkstoff Montelukast verlangsamte in Tiermodellen das Tumorwachstum und verbesserte die Wirksamkeit der Immuntherapie.
Wissenschaftler der Northwestern University in Chicago berichten in der Fachzeitschrift „Nature Cancer“ (erschienen am 19. Mai), dass viele Krebsarten – darunter triple-negativer Brustkrebs, Melanome, Eierstock-, Darm- und Prostatakrebs – den Rezeptor CysLTR1 missbrauchen. Er steuert die Bildung tumorfördernder neutrophiler Granulozyten, die das Immunsystem schwächen und die Wirkung von Immuncheckpoint-Inhibitoren behindern.

In Mausmodellen und Untersuchungen menschlicher Tumorproben sowie Immunzellen zeigte sich: Wurde CysLTR1 genetisch ausgeschaltet oder pharmakologisch blockiert, verlangsamte sich das Tumorwachstum, die Überlebenszeit stieg und selbst bei zuvor resistenten Tumoren kehrte die Empfindlichkeit gegenüber Immuntherapie zurück. Statt die schädlichen Neutrophilen einfach zu eliminieren, konnten sie durch die Blockade in immunfördernde Zellen umprogrammiert werden.
Analysen großer Patientendatenbanken ergaben zudem, dass eine hohe CysLTR1-Aktivität mit schlechterem Überleben und geringerem Ansprechen auf Immuntherapien einhergeht.
Da Montelukast (Singulair) bereits als sicheres und zugelassenes Medikament verfügbar ist, könnten klinische Studien rasch folgen. Die Forscher um den Senior-Autor Dr. Bin Zhang sehen besonders bei schwer behandelbaren Krebsarten wie triple-negativem Brustkrebs dringenden Bedarf für neue Kombinationsansätze.
Die Studie wurde teilweise von den National Institutes of Health und dem National Cancer Institute finanziert.
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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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