Elterliche Gene prägen Kinder stärker als bislang angenommen

von | Juni 10, 2026 | Forschung, Gesundheit

Nicht nur die direkt vererbten Gene, sondern auch die nicht geerbten Gene der Eltern hinterlassen einen erheblichen und dauerhaften Einfluss auf die Entwicklung von Kindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie unter Leitung des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) und des norwegischen Volksgesundheitsinstituts.

Das Team entwickelte einen neuen Ansatz, mit dem sich die verschiedenen genetischen Einflusswege klar voneinander trennen lassen. Für Körpergröße, Body-Mass-Index (BMI) und schulische Leistungen sind die indirekten Effekte der elterlichen Gene – vermittelt über das von ihnen geschaffene Umfeld – nahezu ebenso bedeutsam wie die direkt vererbten Gene des Kindes.

Die Forschenden analysierten genetische Daten und Merkmale von über 30.000 Familien aus norwegischen und estnischen Biobanken. Dabei berücksichtigten sie sowohl indirekte genetische Effekte (genetic nurture) als auch sogenannte Parent-of-Origin-Effekte, bei denen es darauf ankommt, ob eine Genvariante von der Mutter oder vom Vater stammt.

Robinson & Krätschmer. Für Körpergröße, Körpergewicht und schulische Leistungen kann das durch die Gene der Eltern geprägte Umfeld nahezu ebenso wichtig sein wie die Gene selbst, die wir tatsächlich geerbt haben, zeigen die ISTA-Forschenden. | Copyright: © ISTA
Robinson & Krätschmer. Für Körpergröße, Körpergewicht und schulische Leistungen kann das durch die Gene der Eltern geprägte Umfeld nahezu ebenso wichtig sein wie die Gene selbst, die wir tatsächlich geerbt haben, zeigen die ISTA-Forschenden. | Copyright: © ISTA

Die eigene DNA des Kindes habe zwar den größten Einfluss, doch indirekte elterliche Effekte und Herkunftseffekte zusammen seien von vergleichbarer Bedeutung, hieß es in der am Dienstag in der Fachzeitschrift „Cell Genomics“ veröffentlichten Studie. Viele genetische Loci wirkten dabei doppelt: direkt über die Gene des Kindes und indirekt über das elterliche Umfeld.

Die Ergebnisse hätten weitreichende Konsequenzen für das Verständnis von Entwicklungsprozessen, Krankheitsrisiken und die Interpretation genetischer Studien. Sie zeigten zudem, dass Umwelt- und bildungspolitische Maßnahmen den starken Einfluss des familiären Umfelds stärker berücksichtigen müssten.

Die neue Methode lasse sich auf zahlreiche weitere Merkmale und Erkrankungen übertragen und könne helfen, die Genetik von psychischen Störungen oder Stoffwechselkrankheiten präziser zu verstehen.

Original Paper:

Separating direct, indirect, and parent-of-origin genetic effects in the human population: Cell Genomics


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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