Diversitätssensible Gesundheitsversorgung nach häuslicher und sexualisierter Gewalt
Die Gesundheitsversorgung nach häuslicher und sexualisierter Gewalt soll diversitätssensibler und bedarfsorientierter werden. Ein neues Forschungsprojekt der Hochschule Fulda untersucht aus Betroffenenperspektive, wie Zugangsbarrieren abgebaut und Angebote besser auf vulnerable Gruppen abgestimmt werden können.
Das Projekt „WesBe – Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung nach häuslicher und sexualisierter Gewalt unter Einbeziehung der Betroffenenperspektive“ richtet sich besonders an Frauen mit Migrationshintergrund, körperlichen Behinderungen, niedrigem sozioökonomischem Status und höherem Lebensalter sowie an betroffene Männer. Das Team um die Projektleiterinnen Professorin Dr. Daphne Hahn und Professorin Dr. Regina Brunnett geht davon aus, dass diese Gruppen häufiger von Gewalt betroffen sind, aber im Hilfesystem oft nicht ausreichend erreicht werden.

Das Forschungsteam wendet einen intersektionalen Ansatz an, der Mehrfachbelastungen berücksichtigt. Es analysiert zunächst bestehende Versorgungsangebote, führt anschließend Interviews mit Betroffenen und erarbeitet in einem partizipativen Prozess mit Beteiligten und Experten konkrete Handlungsempfehlungen für eine bessere Versorgung.
Professorin Dr. Daphne Hahn erklärte, dass Betroffene in der medizinischen Versorgung häufig ein Gefühl der Fremdbestimmung erleben, das an die Machtdynamiken in Gewaltbeziehungen erinnere. Zudem seien spezialisierte Angebote besonders im ländlichen Raum rar, und die Nachsorge müsse oft selbst organisiert werden. Eine frühzeitige und angemessene Versorgung könne Chronifizierungen und wiederholte Inanspruchnahmen des Gesundheitssystems verringern und damit auch die sozialen Sicherungssysteme entlasten.
Das Projekt wird mit 489.000 Euro aus dem Innovationsfonds zur Förderung von Versorgungsforschung gefördert und läuft bis Januar 2029.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.




