Händedesinfektion schützt Früh- und Neugeborene auf Intensivstationen ebenso wirksam wie Schutzkleidung

von | Juni 22, 2026 | Forschung, Gesundheit

Eine große deutsche Studie mit fast 10.000 Früh- und Neugeborenen auf Intensivstationen zeigt: Eine konsequente Händedesinfektion des Personals schützt die besonders gefährdeten Babys genauso gut vor bestimmten Krankenhausinfektionen wie zusätzliche Schutzmaßnahmen mit Kitteln und Handschuhen.

Die BALTIC-Studie (Barrier Protection to Lower Transmission and Infection Rates With Gram-Negative Bacteria in Preterm Children) untersuchte Kinder, die mit antibiotikaresistenten gramnegativen Bakterien besiedelt waren. Solche Keime gelten in Kliniken als besonders problematisch, da sie gegen wichtige Antibiotika unempfindlich sein können.

Prof. Dr. Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Würzburg, der die Studie leitete, erklärte, dass man wissen wollte, ob eine konsequente Händedesinfektion allein genauso wirksam ist wie die Kombination aus Händedesinfektion, Schutzkittel und Einmalhandschuhen. Der erhebliche Aufwand der erweiterten Barrieremaßnahmen sei durch den zusätzlichen Nutzen nicht gerechtfertigt. Neben Kosten und Zeitaufwand spiele auch die Umweltbelastung durch große Mengen Einwegmaterialien eine Rolle.

Die von Prof. Dr. Christoph Härtel geleitete BALTIC-Studie zeigt, dass eine konsequente Händedesinfektion Früh- und Neugeborene vor schweren Infektionen ebenso wirksam schützt wie zusätzliche Schutzkleidung. | Quelle: Kirstin Linkamp | Copyright: UKW
Die von Prof. Dr. Christoph Härtel geleitete BALTIC-Studie zeigt, dass eine konsequente Händedesinfektion Früh- und Neugeborene vor schweren Infektionen ebenso wirksam schützt wie zusätzliche Schutzkleidung. | Quelle: Kirstin Linkamp | Copyright: UKW

In der cluster-randomisierten, kontrollierten Studie im Crossover-Design galt in jeder der zwölf teilnehmenden neonatologischen Intensivstationen jeweils ein Jahr lang die übliche Praxis mit zusätzlicher Schutzkleidung, im anderen Jahr stand die konsequente Händedesinfektion im Mittelpunkt.

Das Ergebnis: Schwere Blutinfektionen traten in beiden Gruppen gleich selten auf. Auch die Weiterverbreitung der Keime unterschied sich nicht wesentlich. Die Forscher sehen darin einen Hinweis, dass eine konsequent durchgeführte Händehygiene der entscheidende Faktor im Infektionsschutz ist.

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bzw. dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie und der DAMP-Stiftung gefördert.

Original Paper:

Publikation: Faust K, Strecker F, Haug C, et al. Extended Barrier Precautions vs Hand Hygiene Alone and Neonatal Sepsis in Intensive Care Patients: The BALTIC Cluster-Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026;9(5):e2612759. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.12759

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2849097


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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