POCT: Neues Schnelltest-Verfahren revolutioniert Tuberkulose-Diagnose
Forschende der Universität Heidelberg und der University of California, San Francisco haben ein neues POCT-Diagnoseverfahren für Tuberkulose (TB) entwickelt, das ohne stationäres Labor auskommt und in weniger als 35 Minuten ein Ergebnis liefert. Der Nachweis erfolgt über einen einfachen Zungenabstrich und kann auch von ungeschultem Personal durchgeführt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Verfahren bereits weltweit empfohlen.
Das mobile Testsystem besteht aus zwei kompakten Geräten: In einem werden die Bakterien aus dem Abstrich aufgelöst, das zweite analysiert die Probe mittels Erbgut-Detektion. Das Ergebnis wird über einfache Kontrollleuchten angezeigt – positiv oder negativ.

In einer großen internationalen Studie mit 1.380 Personen aus sieben Ländern mit hoher TB-Belastung (Indien, Nigeria, Südafrika, Uganda, Vietnam, Sambia und Philippinen) erreichte der Zungenabstrich eine Sensitivität von 80 Prozent und eine Spezifität von 99,5 Prozent. Die Werte sind vergleichbar mit der bisherigen Goldstandard-Diagnostik mittels Sputum im Labor. Besonders vorteilhaft ist die Methode für Personen, die kein Sputum abgeben können, darunter Kinder, schwer Kranke und HIV-Positive.
Jedes Jahr sterben weltweit mehr als eine Million Menschen an Tuberkulose (TB). Allein im Jahr 2024 gab es mehr als zehn Millionen Neuerkrankungen. Die bakterielle Infektionskrankheit greift in erster Linie die Lunge an, kann aber auch andere Organe betreffen. Zu den Symptomen zählen anhaltender Husten, Fieber und Gewichtsabnahme. Tuberkulose kann mit Antibiotika behandelt werden, eine Herausforderung ist aber die Diagnostik: Bislang vorhandene Tests sind teuer, aufwendig und teilweise ungenau. In ressourcenschwachen Ländern mit hohen Infektionszahlen ist zudem der Zugang begrenzt. Häufig mangelt es an Fachpersonal, der erforderlichen Laborausstattung oder einer zuverlässigen Stromversorgung für Laborgeräte. Die Diagnostik findet in der Regel nicht am Point-of-Care statt – also dort, wo die Patientinnen und Patienten sich vorstellen. Dadurch liegt das Ergebnis zeitverzögert vor, eine gegebenenfalls erforderliche Behandlung kann nicht sofort beginnen und einige Patientinnen und Patienten werden gar nicht mehr erreicht. „Vor diesem Hintergrund setzt der TB-Nachweis per Zungenabstrich neue Maßstäbe in der TB-Diagnostik“, so Professorin Denkinger.
Die Studie wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie zeigt, dass das neue Point-of-Care-Verfahren die Diagnostik erheblich vereinfacht und die Zeit bis zur Behandlung verkürzt. Weltweit erkranken jährlich über zehn Millionen Menschen an Tuberkulose, mehr als eine Million sterben daran.
Die Forschenden sehen in dem Verfahren einen entscheidenden Fortschritt für die globale TB-Bekämpfung. Die Pilotanwendung in Hochrisikoländern wird derzeit vorbereitet.
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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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