Neue S3-Leitlinie: Fieber bei Kindern nicht reflexhaft senken
Die neue nationale S3-Leitlinie „Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen“ rückt das Wohlbefinden des Kindes statt der bloßen Temperatursenkung in den Mittelpunkt. Die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) erarbeitete und von Prof. Dr. David Martin von der Universität Witten/Herdecke koordinierte Leitlinie wird am 17. April im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht und erreicht damit die gesamte Ärzteschaft in Deutschland.
Fieber sei in den meisten Fällen eine sinnvolle Reaktion des Körpers – wir sollten es nicht reflexhaft bekämpfen, sondern das Kind in den Blick nehmen, erklärte Martin. Die Leitlinie gibt erstmals klare, evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für den Alltag in Praxen, Notaufnahmen und Kinderkliniken.

Fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen sollen künftig gezielter eingesetzt werden – nur dann, wenn das Kind sichtbar unter dem Fieber leidet. Fieber allein rechtfertigt keine Antibiotikagabe. Die Empfehlungen sollen unnötige Behandlungen vermeiden, die Patientensicherheit stärken und zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen beitragen.
Für Eltern enthält die Leitlinie praktische Hinweise: Während des Fieberanstiegs frieren Kinder häufig und sollten ihrem Wärmebedürfnis folgen – zugedeckt und in Ruhe gelassen werden. Die Leitlinie wurde in Zusammenarbeit mit 13 Fachgesellschaften und einem Patientenverband erarbeitet und vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert.
Martin leitet zudem das mit 2,6 Millionen Euro geförderte Projekt „Fit Für Fieber“, in dem die Umsetzung der neuen Leitlinie in einer großen Studie mit 60.000 Kindern wissenschaftlich untersucht wird. Die Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt soll sicherstellen, dass die Empfehlungen schnell in die breite medizinische Praxis gelangen.
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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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