Langfristige Heilungschancen bei multiresistenter Tuberkulose deutlich höher als gedacht

von | Apr. 17, 2026 | Forschung, Gesundheit

Die langfristigen Behandlungsergebnisse bei multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) fallen deutlich besser aus als bisher angenommen. Das geht aus einer großen nationalen Kohortenstudie aus Lettland hervor, die in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) am Forschungszentrum Borstel entstanden ist.

Die Wissenschaftler werteten Daten von 1.299 erwachsenen Patientinnen und Patienten aus, die zwischen 2005 und 2021 in Lettland wegen MDR- oder rifampicin-resistenter Tuberkulose behandelt wurden. Nach den herkömmlichen WHO-Kriterien zum Abschluss der Therapie galten lediglich 4,8 Prozent als geheilt. Bei einer systematischen Langzeitnachbeobachtung mit Verknüpfung nationaler Registerdaten seien jedoch 76,9 Prozent dauerhaft rezidivfrei geblieben, hieß es in der im Fachjournal „The Lancet Regional Health – Europe“ veröffentlichten Studie.

Die Analyse zeige, dass die übliche Erfolgsmessung zum Ende der Behandlung den tatsächlichen Nutzen für die Patienten deutlich unterschätze. Besonders entscheidend für den langfristigen Erfolg sei der Einsatz von mindestens drei wirksamen Medikamenten im individuellen Therapieregime gewesen. Sehr kurze Behandlungen von unter neun Monaten hätten ein erhöhtes Risiko für Rückfälle oder Todesfälle mit sich gebracht, während Therapiedauern zwischen zehn und 17 Monaten vergleichbare Ergebnisse wie längere Behandlungen erzielt hätten, so die Forschenden. In den späteren Jahren des Untersuchungszeitraums hätten sich die Therapien zunehmend verbessert. Heute nähere sich die Behandlungsdauer für MDR-TB in vielen Fällen den sechs Monaten der regulären Tuberkulose an.

Elektronenmikroskopische Aufnahme der Tuberkelbakterien. Credits: CDC/PHIL
Elektronenmikroskopische Aufnahme der Tuberkelbakterien. Credits: CDC/PHIL

Die Ergebnisse unterstrichen zudem die wichtige Rolle nationaler Expertengremien (Consilia) bei der Auswahl der Therapien. In Lettland hätten die Empfehlungen solcher Gremien zu deutlich besseren Langzeitergebnissen geführt als die alleinige Anwendung der WHO-Definitionen. Die Forschenden sehen darin auch einen Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika, der die Entstehung neuer Resistenzen verringern könne.

Die Arbeit liefert somit wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Behandlungsstrategien bei multiresistenter Tuberkulose. Die Wissenschaftler plädierten für eine stärkere Berücksichtigung individualisierter Therapien und einer langfristigen Nachsorge. Sie forderten weitere prospektive Studien, um die Erkenntnisse unter den Bedingungen neuer, verkürzter Therapieschemata mit modernen Wirkstoffen zu überprüfen. Gegebenenfalls sollten die internationalen Definitionen für Behandlungserfolge bei MDR-TB überarbeitet werden.

Original Paper:

Sophie Charlotte Meier et al.: Treatment outcomes and long-term relapse-free survival after multidrug-resistant tuberculosis treatment in Latvia: a retrospective national cohort study. The Lancet Regional Health – Europe, 2026. DOI: 10.1016/j.lanepe.2026.101676

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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