Tödliche Verzögerungen bei der Adrenalin-Gabe für Kinder

von | Apr. 29, 2026 | Forschung, Gesundheit

Bei lebensbedrohlichen Nahrungsmittel-Anaphylaxien im Kindes- und Jugendalter kommt es häufig zu kritischen Verzögerungen bei der Verabreichung lebensrettender Adrenalin-Autoinjektoren (EpiPen). Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der University of Bristol und des Bristol Children’s Hospital, die auf der Jahrestagung des Royal College of Emergency Medicine am 28. April vorgestellt wurde.

Die Forschenden werteten Daten der National Childhood Mortality Database zu 19 Kindern aus, die zwischen 2019 und 2023 an einer schweren Nahrungsmittel-Allergie gestorben waren. In 74 Prozent der Fälle wurde vor dem Herzstillstand kein oder nur ein einziges Adrenalin-Autoinjektor verabreicht. 37 Prozent der Kinder hatten überhaupt keinen Autoinjektor bei sich.

Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Die durchschnittliche Zeit von Symptombeginn bis zum Herzstillstand betrug nur 14 Minuten. Alle 19 Kinder erlitten den Herzstillstand noch vor Erreichen einer Notaufnahme. Besonders betroffen waren Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren (47 Prozent) sowie Kinder zwischen 10 und 14 Jahren (42 Prozent).

Eine zweite Analyse von 17 Fällen ergab, dass in fast allen Fällen ein Lungenversagen (Atemwegs- und Atemprobleme) die eigentliche Todesursache war. Die aktuellen NHS-Leitlinien richten den Fokus jedoch vor allem auf Herz-Kreislauf-Probleme. Die Autoren fordern daher eine Anpassung der Leitlinien, um die Atemwegssicherung und eine frühe, gegebenenfalls mehrfache Adrenalin-Gabe stärker zu priorisieren.

Die Studien unterstreichen, dass schwere Nahrungsmittel-Anaphylaxien zwar selten, aber weitgehend vermeidbar sind. Die Forschenden plädieren für eine verbesserte Aufklärung, eine konsequente Mitführung von Autoinjektoren und aktualisierte Notfallprotokolle in Kliniken.

Original Paper:

Airway, breathing or circulation failure in fatal food anaphylaxis: a nationally representative case series’ by John Coveney, Tom Roberts, Sylvia Stoianova, Nicholas Sargant, in Clinical & Experimental Allergy
doi: 10.1111/cea.70175


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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