Resilienz hängt mit veränderter Verarbeitung visueller Reize im Gehirn zusammen
Resilienz ist kein fester Charakterzug, sondern beruht auf aktiven neurobiologischen Veränderungen im Gehirn. Eine gemeinsame Studie des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung (LIR), der Universitätsmedizin Halle und der Universität Münster zeigt erstmals, dass widerstandsfähige Menschen und Mäuse visuelle Informationen präziser verarbeiten und dabei eine stärkere Kontrolle durch den Frontallappen aufweisen. Die Plastizität des visuellen Kortex scheint demnach ein zentraler Mechanismus der Resilienz zu sein.
Bei 103 Probanden ermittelten die Forschenden zunächst einen individuellen Resilienzwert aus belastenden Lebensereignissen. In Tests mit emotionalen Bildern und Aufgaben zur visuellen Verhaltenskontrolle reagierten resilientere Teilnehmende schneller und fehlerfreier. Die EEG-Messungen ergaben eine strukturiertere Zusammenarbeit der Hirnregionen: Der Frontallappen steuerte den visuellen Kortex gezielter, während die Aktivität dort weniger zufällig und ungeordnet war.

Parallel untersuchten die Wissenschaftler Mäuse in einem sozialen Stress-Modell. Tiere, die trotz wiederholter Konfrontation mit aggressiven Artgenossen normales Sozialverhalten zeigten, wiesen im visuellen Kortex weniger spontane Nervenzellaktivität auf und konnten visuelle Reize feiner unterscheiden. Nicht-resiliente gestresste Mäuse und sogar nicht-gestresste Kontrolltiere zeigten hingegen unpräzisere Verarbeitungsmuster. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Resilienz durch Stress unter bestimmten Bedingungen aktiv trainierbar ist und mit einer verbesserten neuronalen Plastizität im Sehzentrum einhergeht.
Die Studie zeige erstmals, dass die Plastizität der visuellen Schaltkreise ein Mechanismus der Resilienz ist, fassen die Letztautoren Prof. Dr. Oliver Tüscher (Universitätsmedizin Halle) und Prof. Dr. Albrecht Stroh (Universität Münster) zusammen. Die Erkenntnisse könnten langfristig neue Ansätze für Prävention und Therapie stressbedingter psychischer Erkrankungen ermöglichen.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Science Partner Journal Research“ veröffentlicht. Die Studie wurde unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
Original Paper:
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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