Fraunhofer entwickelt drahtloses Endoskop mit Lichtübertragung
Kabel im Operationssaal könnten bald der Vergangenheit angehören. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI haben gemeinsam mit Partnern im Projekt OWIMED ein Endoskop entwickelt, das Bilder und Daten per Licht (LiFi-Technologie) statt über Kabel überträgt. Der Prototyp wurde für laparoskopische Eingriffe (Bauchspiegelungen) konzipiert und bereits in einer realen OP-Umgebung erfolgreich getestet.
Statt der bisher üblichen zwei Kabelverbindungen für Licht, Strom und Datenübertragung integriert das neue System eine LED-Lichtquelle und ein akkubetriebenes LiFi-Modul direkt ins Endoskop. Die Bilder werden optisch an Module an der OP-Leuchte gesendet und von dort in 4K-Qualität auf den Monitor übertragen. Die Verbindung ist bidirektional, sodass auch Steuerbefehle vom Monitor zum Endoskop gesendet werden können.
Die Vorteile sind vielfältig: Ohne Kabelgewirr läuft der Eingriff reibungsloser, medizinische Geräte lassen sich einfacher reinigen und desinfizieren, und das Infektionsrisiko sinkt. Die LiFi-Technologie nutzt moduliertes LED-Licht, das für das menschliche Auge unsichtbar ist, und erfüllt die hohen Anforderungen der Medizintechnik an Zuverlässigkeit, Sicherheit und geringe Latenz.

Das Projekt OWIMED wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen von „KMU-innovativ“ gefördert. Partner sind neben dem Fraunhofer HHI die IT Concepts GmbH (Endoskop-Entwicklung) und das St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, dessen OP-Team den Prototyp in einem OP-Simulator intensiv testete. Das Feedback war durchweg positiv: Die Ärzte würden das drahtlose System gegenüber der kabelgebundenen Variante bevorzugen.
Dr. Anagnostis Paraskevopoulos, Projektleiter am Fraunhofer HHI, erklärte, dass die lokal begrenzte Lichtausbreitung die Technologie besonders für den sensiblen OP-Bereich geeignet mache. Die kompakte Bauweise der LiFi-Module gewährleiste eine robuste und schnelle Datenverbindung.
Das Projekt läuft von Februar 2023 bis April 2026. Die Forschenden wollen die Technologie nun weiterentwickeln und für den breiteren Einsatz in der Medizintechnik vorbereiten. Langfristig könnte die optische Drahtloskommunikation nicht nur Endoskope, sondern auch andere bildgebende Geräte im Operationssaal kabellos machen.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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