Erhöhte Glukagonspiegel bei Typ-2-Diabetes bereits früh nach Diagnose nachweisbar

von | Mai 5, 2026 | Forschung, Gesundheit

Nicht nur eine gestörte Insulinwirkung, sondern auch ein veränderter Glukagonspiegel spielt bei Typ-2-Diabetes eine zentrale Rolle. Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ). Bereits kurz nach der Diagnose weisen Betroffene nach einer Mahlzeit rund 75 Prozent höhere Glukagonspiegel auf als gesunde Personen. Dieser Anstieg hängt eng mit dem Fettgehalt der Leber zusammen und deutet auf eine sogenannte hepatische Glukagonresistenz hin.

Das Forschungsteam um Professor Michael Roden, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des DDZ und Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, analysierte Blutproben und Stoffwechselparameter von 50 Erwachsenen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes und 50 Kontrollpersonen mit normalem Blutzuckerspiegel. Die Daten stammen aus der Deutschen Diabetes Studie, der größten laufenden Studie zu neu diagnostiziertem Diabetes bei Erwachsenen in Europa.

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlicht wurden, legen nahe, dass die Leber bei Typ-2-Diabetes weniger empfindlich auf Glukagon reagiert. Dadurch schüttet der Körper vermehrt dieses Hormon aus, das die Glukoseproduktion in der Leber ankurbelt. Der enge Zusammenhang mit einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD), umgangssprachlich Fettleber, unterstreicht die enge Verknüpfung von Lebergesundheit und Blutzuckeregulation.

Für die Studie analysierten die Forschenden Blutproben und Stoffwechselparameter von Erwachsenen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes und Erwachsenen mit normalem Blutglukosestoffwechsel. | Copyright: DDZ
Für die Studie analysierten die Forschenden Blutproben und Stoffwechselparameter von Erwachsenen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes und Erwachsenen mit normalem Blutglukosestoffwechsel. | Copyright: DDZ

Die Studie hat auch praktische Relevanz: Neue Wirkstoffklassen, die am Glukagonsystem ansetzen, könnten künftig eine Rolle bei der Behandlung von Fettlebererkrankungen spielen. Die Forschenden betonen zudem die Bedeutung einer frühen Erkennung und Behandlung der Fettleber, um das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken.

Studienarzt Maximilian Huttasch vom Institut für Klinische Diabetologie am DDZ ergänzte: „Eine frühzeitige Behandlung der Fettlebererkrankung könnte dazu beitragen, das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken. Dafür ist Früherkennung und Screening von Risikogruppen entscheidend.“

Die Ergebnisse werfen neue Fragen auf, die für die Entwicklung zukünftiger Therapien relevant sein könnten. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob tatsächlich eine verminderte Glukagonwirkung in der Leber vorliegt und ob diese gezielt therapeutisch beeinflusst werden kann.

Original paper:

Increased Early Postprandial Glucagon Concentrations in Humans With Newly Diagnosed Type 2 Diabetes and Steatotic Liver Disease | Diabetes Care | American Diabetes Association


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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