Deutsche Krebshilfe, DKFZ und ABNR warnen vor aggressiver Vermarktung von Tabak- und Nikotinprodukten

von | Mai 29, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ansprechende Verpackungen, gezielte Werbung in sozialen Medien und künstliche Aromen: Die Tabak- und Nikotinindustrie setzt nach Einschätzung der Deutschen Krebshilfe, des Aktionsbündnisses Nichtrauchen (ABNR) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gezielt Strategien ein, um vor allem junge Menschen anzusprechen und abhängig zu machen.

Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai 2026 machen die Organisationen mit einem Plakat auf diese Praktiken aufmerksam. Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, erklärte, der Rückgang jugendlicher Raucher sei eine positive Entwicklung, werde jedoch durch den steigenden Konsum von E-Zigaretten zunichtegemacht. Fast 70 Prozent der E-Zigaretten-Nutzer rauchten zusätzlich Tabakzigaretten. Die Industrie verkaufe nicht nur Produkte, sondern emotionale Geschichten, die Vertrauen schaffen und Skepsis abbauen.

Weltnichtrauchertag 2026: Freie Wahl? Von wegen! Credits: Deutsche Krebshilfe
Weltnichtrauchertag 2026: Freie Wahl? Von wegen! Credits: Deutsche Krebshilfe

Prof. Dr. Sabina Ulbricht, Vorstandsvorsitzende des ABNR, forderte ein umfassendes Werbeverbot für E-Zigaretten und andere Nikotinprodukte in sozialen Medien sowie ein Verbot von Aromastoffen und Einweg-E-Zigaretten. Prof. Dr. Ute Mons vom DKFZ plädierte für standardisierte Verpackungen, die die Attraktivität der Produkte verringern und Gesundheitswarnungen stärker in den Vordergrund rücken. Acht EU-Länder haben dies bereits umgesetzt.

Das Aktionsbündnis Nichtrauchen fordert zudem eine jährliche deutliche Erhöhung der Tabaksteuer, den Schutz vor Passivrauchen, Aufklärungskampagnen und kostenfreie Entwöhnungsangebote in der Gesundheitsversorgung.

In Deutschland raucht mehr als jede vierte erwachsene Person. Besonders hoch ist die Quote bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren. Bei Minderjährigen ist der Tabakkonsum zurückgegangen, dafür gewinnen E-Zigaretten an Beliebtheit.

Die Organisationen sehen in der aktuellen Debatte eine Chance für einen Kulturwandel und fordern die Politik auf, die Vermarktung gesundheitsschädlicher Nikotinprodukte stärker einzuschränken, um vor allem junge Menschen vor Abhängigkeit zu schützen.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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