Mobile Diagnostik für Pflegeheime: Saarland startet bundesweit einmaliges Projekt

von | Juni 4, 2026 | Gesundheit, Politik

Ein speziell ausgestatteter LKW mit hochmoderner Diagnostiktechnik soll künftig Pflegeheime im Saarland anfahren, um erkrankten Bewohnern Untersuchungen vor Ort zu ermöglichen und Klinikeinweisungen zu vermeiden. Für das bundesweit einmalige Modellprojekt „DIKOM“ haben die Universität des Saarlandes und das Universitätsklinikum des Saarlandes zusammen mit Partnern mehr als acht Millionen Euro Förderung vom Gemeinsamen Bundesausschuss erhalten. Das Fahrzeug wurde nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

In den 160 Pflegeheimen des Saarlandes leben mehr als 14.000 Menschen, von denen viele dement oder stark mobilitätseingeschränkt sind. Bisher führen gesundheitliche Probleme bei dieser vulnerablen Gruppe häufig zu mehrtägigen Krankenhausaufenthalten allein zur Diagnostik. Der Transport und die ungewohnte Umgebung belasten die betroffenen Patienten erheblich. Das neue Projekt soll dies ändern und gleichzeitig die Notaufnahmen der Kliniken entlasten.

Dieser LKW vollgepackt mit Hightech-Diagnostik soll künftig Pflegeheime im Saarland anfahren. Heute wurde er offiziell an die Universität des Saaarlandes übergeben. | Quelle: Iris Maurer | Copyright: Universität des Saarlandes
Dieser LKW vollgepackt mit Hightech-Diagnostik soll künftig Pflegeheime im Saarland anfahren. Heute wurde er offiziell an die Universität des Saaarlandes übergeben. | Quelle: Iris Maurer | Copyright: Universität des Saarlandes 

Das als „Mobile Geriatrie Unit“ (MGU) bezeichnete Fahrzeug ist mit einem Computertomographen, Röntgen- und Ultraschallgeräten, EEG-, EKG- sowie einem Labor ausgestattet und entspricht damit dem Standard einer klinischen Notaufnahme. Es verfügt über einen barrierefreien Behandlungsraum, digitale Vernetzungsmöglichkeiten und ein leistungsfähiges Batteriesystem für den ganztägigen Betrieb. Die technische Umsetzung erfolgte maßgeblich durch die Homburger Firma A6 JUNG.

Bei den Einsätzen werden Fachärzte sowie medizinisch-technische Assistenten an Bord sein. Die erhobenen Daten sollen direkt und datengeschützt an Spezialisten für Radiologie, Innere Medizin, Geriatrie, Neurologie und Orthopädie übermittelt werden. Diese werten die Befunde aus und stellen sie zeitnah den Hausärzten und Pflegeteams zur Verfügung, damit die weitere Versorgung in der gewohnten Umgebung des Pflegeheims erfolgen kann.

Das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt wird wissenschaftlich begleitet, um medizinischen und ökonomischen Nutzen zu evaluieren. Ab September sollen zunächst rund 4.000 Bewohner aus etwa 50 Pflegeheimen die mobile Diagnostik erhalten. Projektträger ist die Universität des Saarlandes. Beteiligt sind unter anderem die Saarländische Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle saarländischen Krankenkassen sowie weitere Partner.

Universitätspräsident Ludger Santen bezeichnete das DIKOM-Fahrzeug als gelungenes Beispiel für Wissenstransfer. Das Projekt zeige, wie Hightech-Diagnostik zu den betagten Menschen gebracht werden könne, um belastende Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Saarlands Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker hob die Bedeutung von Innovationen für die Versorgung einer alternden Gesellschaft hervor. Staatssekretär David Lindemann betonte, das Projekt schließe eine wichtige Versorgungslücke und stehe für gelungene Zusammenarbeit im Saarland.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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