MHH-Forschende entdecken 3,8 Milliarden Jahre alten Quantenmechanismus im Immunsystem
Unser Immunsystem wird von einem extrem alten Quantenmechanismus gesteuert, der wahrscheinlich bereits vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren entstanden ist. Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat diesen Mechanismus nun entschlüsselt und damit einen fundamentalen Baustein der angeborenen Immunabwehr identifiziert.
Im Mittelpunkt der Studie stehen die Oligoadenylat-Synthasen (OAS), Proteine, die in allen menschlichen Zellen vorkommen und wie molekulare Rauchmelder funktionieren. Sie erkennen Virusinfektionen oder Gewebeschäden und lösen die Immunantwort aus. Die Forschenden um Prof. Dr. Roman Fedorov vom Institut für Biophysikalische Chemie der MHH konnten zeigen, dass die Aktivierung dieser Proteine über ein Metallzentrum mit Magnesium gesteuert wird, in dem quantenmechanische Prozesse ablaufen.

Diese Prozesse ermöglichen eine hochpräzise und effiziente Signalübertragung, die die Abwehr gegen Viren, Krebszellen oder geschädigtes Gewebe einleitet. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Metallzentrum bereits zu den frühesten Lebensformen auf der Erde gehörte und sich im Laufe der Evolution erhalten hat.
Die Ergebnisse könnten langfristig zur Entwicklung neuer Medikamente führen, die OAS gezielt aktivieren – etwa bei viralen Infektionen oder Krebserkrankungen – oder hemmen, um Autoimmunerkrankungen zu behandeln. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift ACS Omega veröffentlicht.
Die Forschenden betonen, dass Quantenphänomene in der Biologie eine wesentliche Rolle spielen und Proteine wie hochoptimierte Quantenmaschinen funktionieren lassen. Die Entdeckung eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis der Evolution des Immunsystems und dessen gezielte therapeutische Beeinflussung.
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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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