Wal Timmy: Umweltminister Backhaus ignorierte seit 1983 bestehende Rettungstechnik
Der gestrandete Buckelwal „Timmy“ hat in Mecklenburg-Vorpommern tagelang schwer gelitten, weil eine seit 1983 bewährte Rettungstechnik mit Luftkissen zunächst nicht zum Einsatz kam. Nach 16 Tagen im flachen Wasser starteten Einsatzkräfte am heutigen Donnerstag einen Rettungsversuch mit dieser Methode – zu spät, wie Tierschützer kritisieren.
Der Wal lag seit mehr als zwei Wochen regungslos in flachem Wasser und konnte sich nicht selbst befreien. Trotz international anerkannter und mehrfach erfolgreich eingesetzter Technik mit aufblasbaren Luftkissen (Inflatable Rescue Pontoons) verzögerten die zuständigen Behörden eine entsprechende Rettungsmaßnahme. Die Technik, die seit Jahrzehnten unter anderem in Neuseeland, Australien und den USA angewendet wird, ermöglicht es, Wale sanft anzuheben und ins tiefere Wasser zu ziehen.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte zunächst erklärt, eine Rettung sei nicht erfolgversprechend. Erst nach massiver öffentlicher Kritik und einer Strafanzeige wegen Tierquälerei durch Unterlassen genehmigte die Landesregierung den privat finanzierten Einsatz der Luftkissen. Tierschützer werfen dem Minister und seinen Behörden vor, bewährte internationale Standards ignoriert und aus bürokratischen Gründen untätig geblieben zu sein. Dadurch sei dem Wal unnötiges Leid zugefügt worden.

Am 8. April erstatteten die Bestsellerautoren und Investigativjournalisten Marita Vollborn und Vlad Georgescu Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Rostock. Sie sehen in dem Vorgehen einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die Anzeige richtet sich gegen Backhaus als obersten Dienstherrn und die beteiligten Behörden. Die Staatsanwaltschaft prüft den Vorgang.
Kritiker sprechen von einem Systemversagen und einer bewussten politischen Entscheidung für Vorsicht statt rasches Handeln. Die Verzögerung habe zu irreversiblen Schäden bei dem Wal geführt. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund hatte Interesse an dem Kadaver für wissenschaftliche Zwecke bekundet, falls der Wal sterben sollte.
Der Vorfall hat in Mecklenburg-Vorpommern eine Debatte über den Umgang mit gestrandeten Meeressäugern ausgelöst. Tierschützer fordern künftig eine schnellere Prüfung und Umsetzung internationaler Rettungsstandards.
Weitere Informationen:
Backhaus ignorierte bewährte Luftkissen-Technik – Timmy wurde unnötig gequält | Pugnalom
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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