Brustkrebs-Verbände warnen vor Qualitätsverlust durch unzureichende Finanzierung bei Ambulantisierung
Die senologischen Fachverbände, zertifizierten Brustzentren, wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Patientenvertretungen in Deutschland haben ein gemeinsames Positionspapier zur Ambulantisierung ausgewählter Brustkrebsoperationen veröffentlicht. Sie unterstützen das politische Ziel einer stärkeren ambulanten Durchführung grundsätzlich, fordern jedoch dringend ein umfassendes Vergütungsmodell, das alle qualitätsrelevanten Leistungen abdeckt. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen drohe eine erhebliche Unterfinanzierung zentraler, für die Versorgungsqualität und Patientensicherheit unverzichtbarer Elemente.
Brustkrebsoperationen sind in komplexe, multimodale Therapieprozesse eingebettet und erfordern interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie intensive medizinische, pflegerische, physiotherapeutische und psychosoziale Betreuung. Wesentliche Bestandteile wie prä- und postoperative interdisziplinäre Tumorkonferenzen, Beratung durch Breast Care Nurses, Psychoonkologie, Sozialdienst, Frühmobilisation durch Physiotherapie, leitliniengerechte Bildgebung, pathologische Diagnostik sowie studienbezogene Aufgaben werden im ambulanten Vergütungssystem nicht oder nur unzureichend abgebildet. Diese Leistungen sind in zertifizierten Brustzentren etabliert und wissenschaftlich belegt für bessere Überlebenschancen, Lebensqualität und Sicherheit.

Das Positionspapier hebt hervor, dass eine Ambulantisierung Vorteile wie kürzere Klinikaufenthalte und schnellere Alltagsreintegration bieten kann, jedoch klare Grenzen hat: Die psychische Belastung der Betroffenen, die Notwendigkeit engmaschiger Nachsorge und die Komplexität vieler Fälle erfordern umfassende Strukturen. Ohne adäquate Finanzierung drohen Abbau interdisziplinärer Teams, Einschränkungen psychosozialer Unterstützung, Rückgang der Studienteilnahmen, Gefährdung der Zertifizierung und insgesamt geringere Versorgungssicherheit.
Die Unterzeichner fordern daher:
- Ein vollumfängliches Vergütungsmodell, das alle qualitätssichernden Leistungen außerhalb des operativen Eingriffs einschließt,
- Die Finanzierung eines multidisziplinären Betreuungspakets inklusive Psychoonkologie, Physiotherapie, Sozialdienst, Breast Care Nurses, Tumorkonferenzen und perioperativer Diagnostik,
- Die Berücksichtigung von Zertifizierungsvorgaben in der ambulanten Vergütung,
- Die Beteiligung von Fachgesellschaften, zertifizierten Zentren und Patientenvertretungen an der Weiterentwicklung,
- Klare Indikationskriterien, die vulnerable oder multimorbide Patientinnen und Patienten weiterhin eine stationäre Behandlung ermöglichen.
Die Verbände betonen, dass eine Ambulantisierung nur dann patientenorientiert und sinnvoll sei, wenn sie nicht zu Lasten der Versorgungsqualität gehe. Politik und Entscheidungsträger seien aufgefordert, zeitnah tragfähige Rahmenbedingungen zu schaffen.
Original Paper:
Stellungnahmen | Leitlinien & Stellungnahmen | DGS
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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