IQWiG-Bericht: Mehraufwand bei der Leberresektion steigert Erfolgsaussichten

von | März 10, 2025 | Gesundheit, Politik

Auf Basis weniger Studien zeigte sich bei „Major-Leberresektionen“ für mehrere Zielgrößen ein positiver Zusammenhang zugunsten höherer Leistungsmengen, urteilt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem aktuellen Rapid Report. Den Auftrag zur Überprüfung hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erteilt.

In Deutschland werden jährlich etwa 19.000 Leberresektionen durchgeführt, davon entfallen rund 2.900 auf Major-Leberresektionen. (Credits: pixabay)

Seit 2003 legt der G-BA für bestimmte planbare stationäre Leistungen verbindliche Mindestmengen für Kliniken fest: Krankenhäuser dürfen diese Leistungen nur dann abrechnen, wenn die erforderliche Mindestmenge im jeweils nächsten Kalenderjahr aufgrund berechtigter Prognosen voraussichtlich erreicht wird. Für Major-Leberresektionen ist derzeit noch keine Mindestmenge festgelegt.

In Deutschland werden jährlich 19.000 Leberresektionen durchgeführt, von denen 2.900 Major-Leberresektionen sind. Die häufigste Indikation für eine Leberresektion sind Lebermetastasen des Dickdarmkrebses; die zweithäufigste Indikation ist Leberzellkrebs.

Bei der Leberresektion wird ein Teil der Leber entfernt. Die Major-Leberresektion umfasst die Entfernung von drei oder mehr Lebersegmenten, wobei ein Restlebervolumen in geeigneter Qualität zurückbleiben sollte. Die häufigsten Komplikationen bei den Leberresektionen stellen intra- oder postoperative Blutungen, Leberversagen, Leberabszesse, mit Galle gefüllte Zysten in der Leber und das Übertreten von Galle in den Bauchraum dar. In den Jahren 2010 bis 2015 betrug die Krankenhaussterblichkeit in Deutschland bei allen Leberresektionen 5,8 Prozent. Wird ausschließlich die Major-Leberresektion betrachtet, ergab sich eine fast doppelt so hohe Krankenhaussterblichkeit.

Die Wissenschaftler des IQWiG werteten im vorliegenden Bericht zehn auf Routinedaten basierende retrospektive Kohortenstudien aus. Gemäß Auftrag wurden sowohl Studien zur Major-Leberresektion als auch zu allen sonstigen anatomischen Leberresektionen einbezogen. Für alle in den Studien untersuchten relevanten Zielgrößen wurden verwertbare Ergebnisse identifiziert. Auf Krankenhausebene zeigte sich bei Major-Leberresektionen auf Basis von einer bzw. zwei Studien für die Zielgröße „kurzfristige Mortalität“ (Versterben im Krankenhaus, 30- bzw. 90-Tage-Mortalität) ein Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge und der Behandlungsqualität zugunsten höherer Leistungsmengen. Dieser Zusammenhang lässt sich aus den Daten aber nicht für die Zielgrößen „Krankenhaus-Aufenthaltsdauer“ und „Wiedereinweisung“ ableiten.

Spezifisch für Minor-Leberresektionen ergab sich auf Basis einer Studie für die Zielgröße „Versterben im Krankenhaus“ ein Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge eines Krankenhauses und der Behandlungsqualität zugunsten höherer Leistungsmengen. Für die anatomischen Leberresektionen, die sich nicht eindeutig einer Major- oder Minor-Leberresektion zuordnen ließen, zeigen die Daten für die Zielgrößen „Gesamtüberleben“, „kurzfristige Mortalität“, „postoperative Komplikationen“, „Krankenhaus-Aufenthaltsdauer“ und „Wiedereinweisung“ einen Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und Behandlungsqualität zugunsten höherer Leistungsmengen. Für die Zielgröße „Failure to rescue“ wurde auf Krankenhausebene kein Zusammenhang abgeleitet.

Auch auf Arztebene zeigte sich bei allen Leberresektionen, die sich nicht eindeutig einer Major-Leberresektion zuordnen ließen, ein positiver Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge und der Behandlungsqualität. Dies galt für die Zielgröße „Versterben im Krankenhaus“ und auf Basis jeweils einer Studie für die Zielgrößen „Failure to rescue“, „postoperative Komplikationen“ und „Wiedereinweisung“. Nur die Aussagen zur Zielgröße „Versterben im Krankenhaus“ basieren für alle untersuchten Leberresektionen auf den Ergebnissen einer Studie mit mäßiger interner Validität, alle anderen Aussagen beruhen auf Studien mit niedriger interner Validität. Keine Aussage trafen die Wissenschaftler für die Effekte von in die Versorgung eingeführten konkreten Mindestfallzahlen, da hierzu keine relevante Studie vorlag.

Originalpublikation

[V24-04 ] Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und Qualität des Behandlungsergebnisses bei Major-Leberresektion

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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