Autoantikörper im Blut könnten Nebenwirkungsrisiko bei Melanom-Immuntherapie vorhersagen

von | März 11, 2026 | Forschung, Gesundheit

Eine multizentrische Studie unter Leitung von Forschenden der Medizinischen Fakultät Heidelberg, der Sektion Dermatoonkologie der Hautklinik am Universitätsklinikum Heidelberg und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg zeigt, dass bereits vor Beginn einer Immuntherapie nachweisbare Autoantikörper im Blut das individuelle Risiko für schwere Nebenwirkungen bei Patienten mit metastasiertem Melanom besser einschätzen lassen könnten.

Immuntherapien haben die Behandlung des fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebses in den vergangenen Jahren entscheidend verbessert, indem sie das Immunsystem zur gezielten Bekämpfung von Tumorzellen aktivieren. Häufig treten jedoch immunbedingte Nebenwirkungen auf, darunter Entzündungen von Darm, Haut oder anderen Organen, die teilweise schwer verlaufen.

Symbolbild. Credits: LabNews Media LLC
Symbolbild. Credits: LabNews Media LLC

Die Studie untersuchte Blutproben von 331 Patienten mit metastasiertem Melanom, die unterschiedliche Immuntherapien erhielten. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Autoantikörper bereits vor Therapiebeginn vorhanden waren und mit dem späteren Auftreten von Nebenwirkungen korrelierten. Die Zusammensetzung und Menge dieser Autoantikörper variierten je nach Art der Immuntherapie – etwa Monotherapie oder Kombinationstherapie. Dies deutet auf unterschiedliche biologische Mechanismen der Nebenwirkungsentstehung hin.

Ein besonderer Fokus lag auf Darmentzündungen, die bei Kombinationsimmuntherapien deutlich häufiger und belastender auftreten. Das Forschungsteam identifizierte Autoantikörperprofile, die das Risiko für diese Komplikationen über verschiedene Behandlungsformen hinweg zuverlässig widerspiegelten. Einige Antikörper waren mit erhöhtem Risiko assoziiert, andere zeigten eher schützende Effekte.

Die Ergebnisse legen nahe, dass ein Autoantikörper-Profil aus einer einfachen Blutprobe künftig helfen könnte, vor Therapiebeginn das persönliche Nebenwirkungsrisiko abzuschätzen und die Therapieentscheidung individueller zu treffen – etwa ob eine risikoreichere Kombinationstherapie vertretbar ist. Ein solcher Test wäre skalierbar und prinzipiell breit einsetzbar. Vor einer routinemäßigen Anwendung müssen die Befunde jedoch in weiteren Studien validiert werden.

Die Studie wurde von Prof. Jessica Hassel, Sektionsleiterin Dermatoonkologie am UKHD und NCT Heidelberg, geleitet. Dr. Robin Reschke, Max-Eder-Nachwuchsgruppenleiter an der Medizinischen Fakultät Heidelberg, kündigte ergänzend eine geplante Folgestudie an, die den Zusammenhang zwischen Autoantikörperprofilen und dem Ansprechen der Immuntherapie auf den Tumor untersuchen soll.

Das NCT Heidelberg ist eine Kooperationseinrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg, der Medizinischen Fakultät Heidelberg und der Thoraxklinik Heidelberg.

Original paper:

Autoantibodies as predictors for immune-related adverse events in checkpoint inhibition therapy of metastatic melanoma | Journal for ImmunoTherapy of Cancer

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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