Kein klarer Nutzen des bundesweiten Hautkrebsscreenings erkennbar
Das bevölkerungsweite Hautkrebsscreening in Deutschland hat offenbar nicht zu einer stärkeren Senkung der Melanomsterblichkeit geführt als in vergleichbaren Nachbarländern ohne ein solches Programm. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie eines Forschungsteams aus Oldenburg und Lübeck, die in der Fachzeitschrift „JAMA Dermatology“ veröffentlicht wurde.
Die Wissenschaftler der Klinischen Landesauswertungsstelle Niedersachsen, des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen und der Universität zu Lübeck verglichen die Trends der Melanomsterblichkeit in Deutschland mit denen in neun Nachbarländern seit Einführung des Screenings im Jahr 2008. Zwischen 2009 und 2022 sei die Sterblichkeit in allen untersuchten Ländern um durchschnittlich etwa zwei Prozent pro Jahr zurückgegangen. In Deutschland fiel der Rückgang jedoch etwas schwächer aus als in den Vergleichsländern.

Privatdozent Dr. Dr. Joachim Hübner, Leiter der Klinischen Landesauswertungsstelle, bezeichnete das Ergebnis als enttäuschend. Frühere Untersuchungen hätten ebenfalls keinen eindeutigen Nutzen des Programms nachweisen können. Die neue Studie vergleiche nicht einzelne Teilnehmer, sondern ganze Länder und umgehe damit methodische Probleme bei der Abgrenzung von Screening- und diagnostischen Untersuchungen in Routinedaten.
Prof. Dr. Alexander Katalinic von der Universität zu Lübeck nannte mögliche Gründe für den fehlenden Effekt: Die Untersuchungen im Praxisalltag entsprächen möglicherweise nicht immer der erforderlichen Qualität, und das Angebot erreiche möglicherweise nicht vorrangig die Risikogruppen. Stattdessen nähmen häufig Menschen mit niedrigem Risiko teil.
Die Studie erhält besondere Bedeutung durch das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das eine Überprüfung des bestehenden Hautkrebsscreenings vorsieht. Die Autoren plädieren dafür, ein risikobasiertes Screening stärker in Betracht zu ziehen, um begrenzte Ressourcen effizienter einzusetzen und mögliche Schäden wie Überdiagnosen oder falsch-positive Befunde zu reduzieren.
Original Paper:
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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