Heilmittel-Ausgaben der Krankenkassen mehr als verdoppelt – Qualität der Versorgung weitgehend unklar

von | Juni 10, 2026 | Forschung, Gesundheit, Politik

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Heilmittel sind innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Im Jahr 2024 lagen sie bei knapp 13,3 Milliarden Euro. Ende 2025 erreichten sie bereits 14,7 Milliarden Euro. Das zeigt der heute vorgestellte Heilmittel-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Im ersten Quartal 2026 setzten sich die Ausgabensteigerungen mit einem Plus von 8,7 Prozent fort. Damit weist der Heilmittelbereich eine besonders hohe Dynamik im Vergleich zu anderen Leistungssektoren auf. Zu den Treibern zählen die Angleichung der Vergütung 2019 sowie die Entkopplung von der Grundlohnsumme in den Folgejahren.

Zwei Drittel des Heilmittel-Umsatzes entfielen 2024 auf Physiotherapien. Auch bei den Verordnungen hat die Physiotherapie mit 82,4 Prozent den mit Abstand größten Anteil. Besonders stark gestiegen sind langfristige Verordnungen: Die Zahl der Verordnungen für langfristigen Heilmittelbedarf hat sich seit 2017 fast verfünffacht. Zusammen mit dem Besonderen Versorgungsbedarf summierten sich die Kosten dafür 2025 auf 2,6 Milliarden Euro – das entspricht rund der Hälfte der Heilmittelausgaben der AOK.

Symbolbild. Credits; geralt/Pixabay
Symbolbild. Credits; geralt/Pixabay

Blankoverordnungen treiben Kosten weiter

Die 2024 eingeführte Blankoverordnung für bestimmte Diagnosen in der Ergo- und Physiotherapie hat bei diesen Indikationen zu einem deutlichen Anstieg von Behandlungen und Ausgaben geführt. Im vierten Quartal 2025 war bereits jede zweite Physiotherapie-Verordnung bei Schulterbeschwerden eine Blankoverordnung. Diese kosteten durchschnittlich 714 Euro je Verordnung, während Regelverordnungen nur 214 Euro ausmachten. Grund dafür waren vor allem eine höhere Behandlungsfrequenz und längere Therapiedauer.

Der Nutzen der größeren Therapiefreiheit für die Patientinnen und Patienten bleibt bisher unklar.

Der Report beleuchtet in 23 Kapiteln Ansätze zur Messung und Verbesserung der Versorgungsqualität. Dazu gehören eine Akademisierung der Ausbildung von Therapeuten sowie die stärkere Nutzung von Routinedaten der Krankenkassen. Deutschland ist nach wie vor das einzige europäische Land, in dem für Physiotherapeuten eine Berufsausbildung als Mindestqualifikation ausreicht.

WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder plädierte für mehr Transparenz durch Datenanalysen und eine bessere Qualifizierung, um die Versorgungsqualität im Heilmittelbereich langfristig zu verbessern.

Original Paper:

Heilmittel-Report 2026: Qualität der Heilmittelversorgung | Springer Nature Link


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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