Neue Immunzellen im Alzheimer-Gehirn entdeckt
Forschende des Instituts für Anatomie der Universität Leipzig haben in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern eine bislang unbekannte Untergruppe von Immunzellen im Hirngewebe von Alzheimer-Patienten identifiziert. Die Entdeckung gelang durch eine neu entwickelte Mikroskopie-Technologie, die speziell für das menschliche Gehirn optimiert wurde. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“ veröffentlicht.
Bei den neu entdeckten Zellen handelt es sich um spezialisierte Mikrogliazellen, die Abwehrzellen des Gehirns. Diese Zellpopulation tritt im Alzheimer-Gehirn deutlich häufiger auf und steht in enger räumlicher Verbindung mit krankheitstypischen Eiweißablagerungen. Die Studie zeigt zudem, dass Mikrogliazellen bei der Alzheimer-Erkrankung verschiedene spezialisierte Zustände annehmen können.

Die Forscher um Dr. Dennis-Dominik Rosmus entwickelten die sogenannte CODEX-Methode weiter und passten sie für die Anwendung im menschlichen Zentralnervensystem an (CODEX-CNS). Das Verfahren ermöglicht erstmals eine hochauflösende, räumliche Analyse zahlreicher Proteinmarker gleichzeitig im Gewebe. Dadurch lassen sich komplexe Zellpopulationen in ihrem natürlichen Umfeld charakterisieren – ein Schritt, der mit herkömmlichen Methoden oft nicht möglich war. Die Ergebnisse wurden zusätzlich durch klassische Immunfluoreszenzfärbungen an Gehirnschnitten aus der Leipziger Hirnbank bestätigt.
Mikrogliazellen stehen seit Langem im Fokus der Alzheimer-Forschung, da sie eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen und dem Umgang mit krankhaften Proteinablagerungen spielen. Während in Tiermodellen bereits verschiedene Untergruppen bekannt waren, fehlten bislang vergleichbare detaillierte Untersuchungen am menschlichen Gehirn. Die neue Studie schließt diese Lücke und liefert konkrete Hinweise auf krankheitsspezifische Veränderungen der Immunantwort im menschlichen Gehirn.
Die Entdeckung könnte langfristig zum besseren Verständnis der biologischen Mechanismen der Alzheimer-Erkrankung beitragen. Ein genaueres Wissen darüber, wie Mikrogliazellen auf Ablagerungen und Zellschäden reagieren, gilt als vielversprechender Ansatzpunkt für die Entwicklung gezielter Therapien. Die Forschungsgruppe plant, die CODEX-CNS-Methode weiterzuentwickeln und auf andere neurologische Erkrankungen anzuwenden. In künftigen Studien soll untersucht werden, ob sich die identifizierten Zellpopulationen auch beim lebenden Menschen nachweisen lassen, etwa mit bildgebenden Verfahren.
Die internationale Kooperation erfolgte unter anderem mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Bahareh Ajami an der Oregon Health and Science University in Portland, USA. Die Studie unterstreicht die Bedeutung von Untersuchungen am menschlichen Gewebe, um alters- und krankheitsbedingte Prozesse realistisch abzubilden.
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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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