Expertentipp zur Präanalytik der Glukosebestimmung
Die Präanalytik der Glukosebestimmung ist selbst für erfahrene Ärztinnen und Ärzte eine Wissenschaft für sich. MedLabPortal hat dazu Prof. Matthias Nauck befragt, der seit 2002 das Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald leitet.

MedLabPortal: Herr Prof. Nauck, können Sie in wenigen Sätzen den aktuellen Stand der Dinge in Sachen Glukosebestimmung zusammenfassen?
Prof. Nauck: Sehr gerne. Die Wiederholung des state of the art lautet: Blutentnahmeröhrchen, die „nur Natrium-Fluorid“ enthalten, hemmen nicht den Glukosabbau in den ersten Stunden, da die Hemmung das Enzym „Enolase“ betrifft, das nicht zu Beginn der Kaskade der Glykolyse steht. Damit entsprechen die Glukosewerte aus diesen Blutentnahmeröhrchen nicht dem Stand der Technik.
MedLabPortal: Das bedeutet in Zahlen….
Prof. Nauck: ….eine Reduktion der Glukose in Höhe von fünf bis sieben Prozent in der ersten Stunde.
MedLabPortal: Und nun?
Prof. Nauck: Es gibt ein alternatives Vorgehen: Heparin-Vollblut mit Gel wird unmittelbar nach der Blutentnahme zentrifugiert. Eine Publikation beispielsweise zeigt, dass die Glukosewerte danach für 4 h stabil sind. Das sollte für einen entsprechenden Probentransport in das Labor reichen.
MedLabPortal: Gibt es weitere Vorteile?
Prof. Nauck: Ja. Viele andere Messgrößen können aus diesem Heparinplasma aus dem Bereich der klinischen Chemie gemessen werden, so dass ich auf ein zusätzliches Blutentnahmegefäß zur Glukosestabilisierung verzichten kann. Das spart Zeit bei der Blutentnahme, Blut (Patient Blood Management), schont die Umwelt, …
MedLabPortal:…und erfreut deswegen ganz sicher auch die Patienten. Herr Prof. Nauck, vielen Dank für dieses Kurzinterview.
Lesen Sie dazu auch:
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.




