Wissenschaftsrat fordert stärkere Verzahnung vorklinischer und klinischer Fächer in der Medizin
Der Wissenschaftsrat hat in einer neuen Stellungnahme die Situation der medizinischen Fächer ohne direkten Patientenkontakt analysiert und konkrete Empfehlungen für Aus- und Weiterbildung vorgelegt. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) diskutierte diese Vorschläge auf ihrer Delegiertenkonferenz gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Wolfgang Wick, und der Präsidentin des Medizinischen Fakultätentags (MFT), Prof. Dr. Martina Kadmon.
Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede, Präsident der AWMF, erklärte, dass die vorklinischen und klinisch-theoretischen Fächer in der gesellschaftlichen Wahrnehmung im Vergleich zu den klinisch-praktischen Fächern wenig präsent seien, obwohl sie etwa die Hälfte der Ausbildung im Medizinstudium leisteten. Eine engere Verschränkung beider Bereiche sei essenziell für eine ganzheitliche Medizin der Zukunft. Dazu gehöre sowohl die Verknüpfung von Lehrinhalten im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog (NKLM) als auch eine fächerverbindende Anerkennung von Weiterbildungszeiten in der Muster-Weiterbildungsordnung.

Prof. Dr. Martina Kadmon betonte, dass der NKLM ein zentrales Instrument zur kompetenzorientierten Weiterentwicklung des Medizinstudiums darstelle. Er ermögliche eine bessere Abstimmung zwischen Kerncurricula, Vertiefungsangeboten und Weiterbildungsinhalten, auch wenn die konkrete Umsetzung an den Fakultäten standortspezifisch unterschiedlich ausfalle.
Prof. Dr. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, hob hervor, dass die Weiterentwicklung aller medizinischen Fächer – praktischer wie theoretischer – entscheidend für eine zukunftsorientierte Medizin sei. Die Empfehlungen müssten im Kontext weiterer Stellungnahmen des Wissenschaftsrats zu Prävention und Personalstrukturen gesehen werden.
Die AWMF setzt sich seit langem für eine fächerverbindende translationale Forschung und eine fundierte Aus- und Weiterbildung ein. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats unterstützen dieses Ziel und sollen nun in enger Abstimmung mit MFT und Ärztekammern umgesetzt werden.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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