Chronische Infektionen programmieren T-Helferzellen langfristig um

von | Apr. 15, 2026 | Forschung, Gesundheit

Chronische Infektionen verändern zentrale Immunzellen des Menschen dauerhaft. T-Helferzellen dämpfen bei anhaltender Belastung ihre Abwehrfunktion und stellen ihr Programm auf den eigenen Erhalt um. Das hat ein Team des Universitätsklinikums Freiburg am Beispiel der chronischen Hepatitis-C-Infektion nachgewiesen. Die Ergebnisse eröffnen neue Ansatzpunkte für therapeutische Impfstoffe und Krebsimmuntherapien. Die Studie wurde am 1. April 2026 im Fachjournal Immunity veröffentlicht.

Das Forschungsteam um Maike Hofmann von der Klinik für Innere Medizin II analysierte T-Helferzellen aus Blutproben von Patienten nach akuter Infektion, nach spontaner Ausheilung, bei chronischer Hepatitis C und nach erfolgreicher Therapie. Mit Einzelzell-Analysen und T-Zell-Rezeptor-Daten zeigten die Wissenschaftler, dass sich Funktion und Eigenschaften der Zellen während einer chronischen Infektion grundlegend verändern. Die Zellen kontrollieren die Infektion weniger wirksam, bleiben dafür aber unter Dauerstress länger erhalten.

Diese Anpassung verschwindet auch nach erfolgreicher Heilung nicht vollständig. Die T-Helferzellen behalten ein spezifisches „chronisches Immungedächtnis“ und erinnern sich daran, dass die Infektion über Jahre bestanden hatte. Die Veränderungen passen zu früheren Befunden des Freiburger Teams zu T-Killerzellen und zeigen, wie tiefgreifend chronische Infektionen das Immunsystem prägen.

Blutproben von Heptatitis-C-Patient*innen wurden im Labor untersucht und so entscheidende Veränderungen festgestellt. | Copyright: Universitätsklinikum Freiburg
Blutproben von Heptatitis-C-Patient*innen wurden im Labor untersucht und so entscheidende Veränderungen festgestellt. | Copyright: Universitätsklinikum Freiburg

Die Ergebnisse haben klinische Relevanz. Patienten nach ausgeheilter chronischer Hepatitis C sind möglicherweise nicht mehr in gleichem Maße vor einer Reinfektion geschützt. Zudem lassen sich die umprogrammierten T-Helferzellen offenbar nur schwer wieder zu einer starken Immunantwort anregen. Das gilt auch für andere chronische Infektionen und für Krebserkrankungen, bei denen Immunzellen über lange Zeit stark beansprucht werden.

Die Forschenden wollen die Beobachtungen nun auf weitere chronische Infektionen und auf Tumoren übertragen und prüfen, ob sich die langfristigen Veränderungen der T-Helferzellen gezielt beeinflussen oder teilweise rückgängig machen lassen. Langfristig könnte dieses Wissen helfen, geschwächte Immunantworten nach chronischen Infektionen gezielt zu stärken und neue Behandlungsstrategien für Virusinfektionen und Krebs zu entwickeln.

Original paper:

Editorial: Was die Labormedizin in Sachen Resilienz von Wal Timmy lernen kann – MedLabPortal


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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