Darmkrebs: Immuntherapie verbessert Heilungschancen nach Operation deutlich

von | März 27, 2026 | Forschung, Gesundheit

Die Ergänzung der standardmäßigen adjuvanten Chemotherapie durch die Immuntherapie mit Atezolizumab verbessert die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit bestimmten Formen von Darmkrebs nach einer Operation erheblich. Das zeigt die internationale ATOMIC-Studie (Alliance A021502/AIO-KRK-0317), die in Deutschland von Prof. Dr. Anke Reinacher-Schick vom St. Josef Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, koordiniert wurde. Die Ergebnisse sind im „New England Journal of Medicine“ vom 26. März 2026 veröffentlicht.

In der Studie wurden zwischen September 2017 und Januar 2023 insgesamt 712 Patienten mit sogenanntem dMMR-Darmkrebs im Stadium III nach einer Operation aufgenommen. dMMR steht für „deficient DNA mismatch repair“ und kennzeichnet eine Tumorform mit besonders vielen Mutationen. Die Teilnehmer wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: Eine erhielt sechs Monate Standard-Chemotherapie allein, die andere die Chemotherapie in Kombination mit Atezolizumab, gefolgt von weiteren sechs Monaten Atezolizumab als Monotherapie.

Anke Reinacher-Schick war an der Studie koordinierend beteiligt. | Copyright: © Jakob Studnar
Anke Reinacher-Schick war an der Studie koordinierend beteiligt. | Copyright: © Jakob Studnar

Nach drei Jahren waren in der Kombinationsgruppe 86,3 Prozent der Patienten krankheitsfrei, in der alleinigen Chemotherapie-Gruppe nur 76,2 Prozent. Das Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung oder den Tod sank damit um 50 Prozent.

Die Studie etabliert damit einen neuen Behandlungsstandard für diese biologisch unterscheidbare Untergruppe von Darmkrebs-Patienten im Frühstadium. Die Ergebnisse wurden bereits in die neuesten Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network aufgenommen.

Die deutsche Beteiligung an der Studie erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen der US-amerikanischen Alliance for Clinical Trials in Oncology und der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft unter nationaler Leitung von Anke Reinacher-Schick. AIO-Studienzentren nahmen in der späteren Phase Patienten auf. Die schnelle Rekrutierung geeigneter Patienten in Deutschland wurde durch das COLOPREDICT-Register (CPP-Register) der AIO deutlich erleichtert.

Die weltweite Studie wurde vom US-amerikanischen National Cancer Institute (NCI) gefördert und von der Alliance geleitet. Genentech, ein Mitglied der Roche-Gruppe, unterstützte sie im Rahmen einer kooperativen Forschungsvereinbarung. US-Hauptprüfer war Prof. Dr. Frank A. Sinicrope von der Mayo Clinic.

Original paper:

Atezolizumab plus FOLFOX for Stage III Mismatch Repair–Deficient Colon Cancer | New England Journal of Medicine


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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