DGKL-Vorstand Jan Wolter fordert umfassende Gesundheitssteuer statt reiner Zuckersteuer

von | März 17, 2026 | Forschung, Gesundheit, Politik

Jan Wolter, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), hat in einem Podcast-Interview mit Diagnose Deutschland eine weitreichende Gesundheitssteuer auf risikoreiche Lebensmittelinhaltsstoffe gefordert. Statt bei einer Zuckersteuer stehen zu bleiben, sollten auch Alkohol, Tabak, hochverarbeitete Lebensmittel, Salz und andere krankmachende Bestandteile steuerlich belastet werden.

Wolter kritisierte die Ablehnung einer Zuckersteuer durch die CDU unter Kanzler Merz scharf. Das Argument der Bevormundung der Bürger nannte er eine hohle Phrase, da der Staat in vielen Bereichen – von Gurtpflicht bis Rauchverbot – regulierend eingreife. Er warnte vor einem zunehmenden Verlust an faktenbasierter Politik und sah darin einen gefährlichen Weg.

Der DGKL-Vorstand betonte, dass ungesunde Ernährung in Deutschland extrem günstig und gesunde Ernährung teuer sei. In Vesperboxen von Kita- und Grundschulkindern fänden sich häufiger Schokoriegel und Chips als Obst und Gemüse. Eine umfassende Steuer auf Risikoinhaltsstoffe solle diesen Preisunterschied korrigieren. Gleichzeitig könnten gesunde Lebensmittel subventioniert und günstiger gemacht werden.

Forderte bundesweit als erster den totalen Reset des deutschen Gesundheitssystems: DGKL-Vorstand Jan Wolter. Jetzt folgen auch anderer Akteure mit Vorschlägen. Credits: DGKL
Jan Wolter ist Vorstand der DGKL. Credits: DGKL

Wolter verwies auf Studien, wonach in Europa jährlich 1,55 Millionen Menschen an Folgen von Fehlernährung sterben. In Deutschland und Europa entstünden dadurch enorme Kosten: Rund ein Drittel der Herz-Kreislauf-Todesfälle hänge mit Fehlernährung zusammen, aktuelle Schätzungen bezifferten allein die Umwelt- und Gesundheitskosten durch Fehlernährung auf fast 50 Milliarden Euro – ohne Tabak und Alkohol.

Die Einnahmen aus einer solchen Gesundheitssteuer sollten nicht dem Staatshaushalt zufließen, sondern für die Förderung gesunder Ernährung genutzt werden – etwa durch günstigere gesunde Produkte, bessere Schulkantinen oder Aufklärungskampagnen. Wolter kritisierte, dass derzeit Gewinne privatisiert, aber Folgekosten – von Umweltbelastungen über Antibiotikaresistenzen bis zu Gesundheitsschäden – sozialisiert würden.

Zur Akzeptanz in der Bevölkerung erklärte er, dass die Frage entscheidend sei, wie sie gestellt werde. Eine direkte Verteuerung ungesunder Produkte stoße auf Ablehnung, eine Umformulierung mit Blick auf explodierende Gesundheitskosten und Entlastung durch günstigere gesunde Alternativen hingegen auf Zustimmung.

Das Interview erschien in der ersten Folge des neuen Podcasts „Diagnose Deutschland“ und liegt in gekürzter Fassung als NACHGEFRAGT-Beitrag auf MedLabPortal vor. Die vollständige Folge ist dort oder im Originalpodcast abrufbar.

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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