Würzburg: Magnetpartikelbildgebung erstmals am Menschen eingesetzt
Forschende der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) haben die Magnetpartikelbildgebung (MPI) erstmals in vivo am Menschen angewendet. Das Verfahren ermöglicht eine strahlungsfreie Darstellung von Gefäßstrukturen und Blutfluss in Echtzeit.
In einer Machbarkeitsstudie wurde bei einem gesunden Probanden eine Gefäßdarstellung am Arm durchgeführt. Klinisch zugelassene Eisenoxid-Nanopartikel dienten als Kontrastmittel und wurden in die Blutbahn injiziert. Ein speziell entwickelter MPI-Scanner erfasste deren Verteilung. Die wichtigsten oberflächlichen und tiefen Venen des Arms einschließlich Verzweigungen wurden sichtbar gemacht. Die Bildrate betrug zwei Bilder pro Sekunde und lag damit im Bereich etablierter klinischer Angiographieverfahren.

Zum Vergleich erfolgte zusätzlich eine digitale Subtraktionsangiographie (DSA) als derzeitiger Standard mit Röntgenstrahlung. MPI erzeugt Bilder ohne ionisierende Strahlung und ohne Hintergrundsignal aus dem umliegenden Gewebe, was zu hohem Kontrast und guter zeitlicher Auflösung führt.
Die Technologie wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Physik und Radiologie entwickelt. Seit etwa 20 Jahren arbeiten die Teams an MPI – von physikalischen Grundlagen über experimentelle Scanner bis zur Integration in klinische Umgebungen. Die erste Anwendung am Menschen markiert den Übergang von präklinischer Forschung zur translationalen Phase.
Perspektivisch könnte MPI interventionelle Eingriffe ohne Strahlenbelastung ermöglichen. Weitere Studien sind jedoch erforderlich, um Sicherheit, Wirksamkeit und klinischen Nutzen systematisch zu prüfen. Die Entwicklung steht im Kontext des kürzlich bewilligten Süddeutschen Zentrums für Magnetic Particle Imaging (SMPI) an der JMU, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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