Der persönliche Gesundheits-Check des UMG-Labors: Die Detektive des Blutes

von | März 9, 2026 | Forschung, Gesundheit

Der Persönliche Gesundheits-Check des UMG-Labors (Interdisziplinäres Labor der Universitätsmedizin Göttingen) ist ein freiwilliges, rein privat zu zahlendes Laboruntersuchungsangebot für Menschen, die ihren Gesundheitszustand gezielt überprüfen möchten – ohne dass eine medizinische Indikation oder ärztliche Verordnung vorliegen muss. MedLabPortal-Redakteure Marita Vollborn und Vlad Georgescu haben den Service auf Herz und Nieren geprüft – im wahrsten Sinne des Wortes und am eigenen Leib. Erstaunliches Fazit: Man bekommt wertvolle Informationen über seinen Gesundheitszustand, die sonst im medizinischen Alltag versickern könnten.

Zunächst die Basics. Beim gesundheits-Check des UMG-Labors handelt es sich nicht um den gesetzlichen Check-up beim Hausarzt (der von der Krankenkasse übernommen wird), sondern um ein ergänzendes, individuell zusammenstellbares Selbstzahler-Angebot eines universitären Labors mit sehr hohem Qualitätsstandard (akkreditiert nach DIN EN ISO 15189).

Womit wir beim Thema Kosten sind (dazu mehr weiter unten). Diese lassen sich größtenteils durch Auswahl der jeweiligen Tests zwar selbst bestimmen, liegen aber schnell im dreistelligen Bereich. Das klingt zunächst etwas abschreckend, zumal der Hausarzt um die Ecke die eine oder andere Analyse für Versicherte kostenlos stemmen kann. Doch die Wahrheit ist: Das, was das UMG-Labor liefert, decken kleines und großes Blutbild allein bei Weitem nicht ab – und mitunter liefern einzelne Werte des Selbstzahler-Checks mehr Hinweise auf bestehende oder kommende Erkrankungen, als gedacht. Zudem ist es eine Möglichkeit, als Patient die Expertise der Labormedizin direkt in Anspruch zu nehmen – die Erklärung der Laborwerte kommt demnach ohne Umwege von Fachärzten der Labormedizin – ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Für alle, deren Budgets in wirtschaftlich schweren Zeiten knapp bemessen sind, daher unsere Entscheidungshilfe: Der Ausbau und Einbau eines neues Auspuffs beim Auto kostet mitunter mehr. Zwar sollte man die eigene Gesundheit nicht mit einem Auspuff vergleichen – doch der harte Vergleich hilft, die Prioritäten richtig zu setzen. Wobei wir bei den entscheidenden Fragen sind:

Für wen ist das Angebot gedacht?

Typische Zielgruppen sind:

  • Gesundheitsbewusste Menschen ab ca. 30–35 Jahren, die Vorsorge über den Standard-Check-up hinaus betreiben wollen
  • Personen mit familiärer Belastung (z. B. Herzinfarkt, Diabetes, Thrombosen, Osteoporose)
  • Menschen mit unspezifischen Beschwerden, bei denen der Hausarzt (noch) keine Untersuchungen veranlasst
  • Sportler / Leistungssportler (Vitamin-/Mineralstoff-Status, Eisenhaushalt etc.)
  • Menschen vor längeren Reisen, Ernährungsumstellungen oder als Status vor einer Fastenkur
  • Personen, die einfach „wissen wollen, wie sie wirklich dastehen“

Wie läuft der Prozess ab?

  1. Auswahl
    Mindestens ein vorgefertigtes Profil („Check“) wählen – beliebig viele Profile kombinierbar. Zusätzlich können Einzelparameter hinzugebucht werden.
  2. Terminvereinbarung
    Per E-Mail (umg-labor@med.uni-goettingen.de) oder Telefon (0551 39-63067 oder 0551 39-68734) – nur Mo–Fr 8–13 Uhr.
  3. Blutentnahme
    Nüchtern (ab Mitternacht nichts essen/trinken außer Wasser), Mo–Fr 9:30–13 Uhr direkt im UMG-Labor (Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen, Raum 3 C2 411). Vor Ort Einwilligung + privatarztvertrag unterschreiben.
  4. Analyse & Ergebnis
    Normalfall: 2–5 Werktage. Ergebnisse per Post oder (bei E-Mail-Angabe) online.
  5. Optionale ärztliche Beratung
    Nach Erhalt des Befundes kann ein Gespräch mit einem Arzt des Hauses gebucht werden (ca. 24 €).

Blutentnahme-Gebühr 5 € → nur einmalig fällig, auch bei mehreren Profilen.

Die wichtigsten Checks im Überblick (Stand März 2026, Preise inkl. 19 % MwSt.)

CheckPreisWichtigste Parameter (Auswahl)Geeignet besonders für …
Basis Check61,62 €Großes Blutbild, TSH, Blutzucker, Lipidprofil (Cholesterin, HDL, LDL, Triglyceride), Leber (ALT), Niere (Kreatinin, GFR), ElektrolyteEinstieg / grober Überblick
Lipid-Check (Blutfette)39,74 €Gesamtcholesterin, HDL, LDL, Non-HDL, Lp(a), TriglycerideHerz-Kreislauf-Risiko
Kardiovaskuläres Risiko143,79 €Lipidprofil + HbA1c + CRP + NT-proBNP + Homocystein + Lp(a) + CK/CK-MBDetaillierte Herz-Gefäß-Risikoabklärung
Diabetes-Check24,15 €Nüchtern-Glucose + HbA1cFrüherkennung Diabetes / Prädiabetes
Schilddrüsen-Check64,83 €TSH + fT3 + fT4Müdigkeit, Gewichtsprobleme, Haarausfall
Vitamin-D-Check46,47 €25-OH-Vitamin D + CalciumKnochengesundheit, Immunsystem, Müdigkeit
Ernährung und Vitamine259,44 €Vit. A, B6, B12 (aktiv), D, E, Folsäure, Zink, Selen, Magnesium, Ferritin, CalciumVegane/Vegetarische Ernährung, Erschöpfung
Anämie-Check121,46 €Ferritin, Holotranscobalamin, Folsäure, Eisen, Transferrin, Retikulozyten, Haptoglobin, CRPAbklärung Blutarmut / chron. Müdigkeit
Großer Leber-Check73,60 €ALT, AST, GGT, Bilirubin, Albumin, Quick, Lipase, Ammoniak, CholinesteraseAlkohol, Medikamente, Fettleber
Großer Nieren-Check36,50 €Kreatinin, GFR, Harnstoff, Harnsäure, Elektrolyte, Urin-Status + SedimentBlutdruckpatienten, Risiko Nierenschäden
Knochen-/Osteoporose129,41 €Vit. D, Parathormon, Calcium, Phosphat, DPD-Crosslinks (Urin)Frauen >50, Männer >65, familiäre Belastung
Hormon-Status (Frau/Mann)250,67 €FSH, LH, Östradiol, Progesteron, Testosteron, Prolaktin, SHBG, TSH, ß-HCGKinderwunsch, Wechseljahre, Libidoverlust
Prostata-Check52,86 €PSA + freies PSA + QuotientMänner >45–50 (Vorsorge / Verlaufskontrolle)

Wichtige Hinweise

  • Alle Preise sind Selbstzahlerpreise (GOÄ-basiert) → Krankenkassen übernehmen in der Regel nichts.
  • Kein Ersatz für einen Arztbesuch bei Beschwerden!
  • Nüchtern kommen ist bei fast allen Checks wichtig.
  • Nur vor Ort in Göttingen möglich (keine Filialen).
  • Ergebnisse werden sehr genau und nach universitärem Standard erstellt – aber die Interpretation sollte idealerweise mit einem Arzt erfolgen (auch Hausarzt möglich).

Wer Interesse hat, sollte zunächst auf der Seite https://labor.umg.eu/service/persoenlicher-gesundheits-check/ die aktuelle Preis- und Parameterliste prüfen (Preise können sich ändern) und dann direkt Kontakt aufnehmen.

Kurz gesagt: Ein sehr seriöses, flexibles und qualitativ hochwertiges Labor-Vorsorgeangebot – besonders interessant für Menschen, die tiefergehende Werte über den üblichen Hausarzt-Check-up hinaus wissen möchten.

UMG Labormedizinerin und DGKL-Präsidiumsmitglied Prof. Dr. med. Julie Schanz bei der Blutentnahme von MedLabPortal-Redakteurin Marita Vollborn. Bildrechte/Credits: X-Press Journalistenbüro GbR
UMG Labormedizinerin und DGKL-Präsidiumsmitglied Prof. Dr. med. Julie Schanz bei der Blutentnahme von MedLabPortal-Redakteurin Marita Vollborn. Bildrechte/Credits: X-Press Journalistenbüro GbR

Soweit die Hard Facts. Was aber unterscheidet nun diese Herangehensweise von jener des GKV-Alltags? Mitunter die Auswahl und Interpretation der einzelnen Werte, wie wir selbst erfuhren. So deutet beispielsweise HbA1C auf den Blutzuckergehalt hin. Klingt wenig spektakulär, erweist sich aber als wichtig. Denn im Vergleich zur üblichen Blutzuckerwert liefert HbA1C die Langzeitdaten. Vereinfacht: Indem dieser Wert gemessen wird, können Mediziner Aussagen über ein bestehendes Diabetes-Risiko treffen. Konstant hohe Blutzuckerwerte sind schädlich – und genau das kann HbA1C erkennen.

Ähnlich verhält es sich mit Homocystein. Um verständlich zu machen, wie wichtig die Messung solcher Laborparameter ist, haben wir die Aussagekraft exemplarisch für viele anderen Spezialwerte zusammengefasst:

Der Homocystein-Wert (auch Homocystein oder HCY) im Blut misst die Konzentration dieser schwefelhaltigen Aminosäure, die als Zwischenprodukt im Stoffwechsel der essenziellen Aminosäure Methionin entsteht. Homocystein wird normalerweise schnell weiterverarbeitet – entweder zurück zu Methionin (Remethylierung) oder zu Cystein (Transsulfurierung). Dafür braucht der Körper vor allem die Vitamine Folsäure (Vitamin B9), Vitamin B12 und Vitamin B6 als Cofaktoren.

Was sagt ein erhöhter Homocystein-Wert aus?

Ein erhöhter Wert (Hyperhomocysteinämie) deutet meist auf eine Störung in diesem Abbauweg hin. Er gilt als unabhängiger Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen – vor allem im kardiovaskulären Bereich. Die wichtigsten Aussagen und Risiken:

  • Gefäßschädigung → Homocystein schädigt die Innenschicht der Blutgefäße (Endothel), fördert oxidativen Stress, Entzündungen und eine gesteigerte Gerinnungsneigung → das begünstigt Atherosklerose (Plaquebildung), Gefäßversteifung (z. B. der Aorta) und Thrombosen.
  • Herz-Kreislauf-Risiko → Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) und venöse Thrombosen. Meta-Analysen zeigen, dass pro 5 µmol/l Anstieg das kardiovaskuläre Risiko um ca. 20–60 % steigt (je nach Studie und Population).
  • Weitere Assoziationen → Neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Alzheimer, vaskuläre Demenz, kognitive Störungen), Osteoporose (reduzierte Knochenqualität), chronische Nierenerkrankungen (als Folge oder Ursache) und in extremen Fällen genetische Störungen wie Homocystinurie.
  • Kein direkter kausaler Beweis in allen Fällen → Viele Studien bestätigen den Zusammenhang, aber Senkung durch Vitamine hat in großen Interventionsstudien nicht immer das Ereignisrisiko (z. B. Herzinfarkt) signifikant gesenkt – der Nutzen scheint vor allem bei Schlaganfall-Prävention und bei Risikopatienten (z. B. mit Nierenproblemen) stärker.

Typische Referenzwerte (Stand 2026, Deutschland/Europa – laborabhängig!)

BereichWert (µmol/l)Bewertung / Bedeutung
Optimal / wünschenswert< 8–10Sehr geringes Risiko, oft bei guter Vitaminversorgung
Normal / Referenzbereich5–12 (bis <15)Meist unproblematisch; viele Labore geben <12 oder <15 als oberen Grenzwert an
Grenzwertig10–15Präventiver Handlungsbedarf, besonders bei familiärem Risiko oder anderen Faktoren
Leicht erhöht15–30Mäßiges Risiko; meist Vitaminmangel (Folsäure, B12, B6)
Mittel bis stark erhöht30–100Deutliches Risiko; oft genetische Faktoren (z. B. MTHFR-Polymorphismus) oder Nierenprobleme
Sehr stark erhöht>100Selten; meist genetische Homocystinurie oder schwere Niereninsuffizienz
  • Wichtig: Immer nüchtern messen (mind. 8–12 Stunden nichts essen außer Wasser), da der Wert sonst steigt. Blut schnell zentrifugieren, da Homocystein aus den Zellen austritt.
  • Mit dem Alter steigt der Wert leicht (ab 65 oft bis 20 µmol/l toleriert).
  • Männer haben tendenziell etwas höhere Werte als Frauen.

Häufigste Ursachen für Erhöhung

  • Vitaminmangel (am häufigsten!): Folsäure, B12, B6 – oft durch einseitige Ernährung, Malabsorption (z. B. Magen-Darm-Probleme), Medikamente oder Alkohol.
  • Genetische Faktoren: Häufige Polymorphismen (z. B. MTHFR 677C>T) – reduzieren die Enzymaktivität.
  • Nierenerkrankungen: Verminderte Ausscheidung.
  • Andere: Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), bestimmte Medikamente (z. B. Methotrexat, Antiepileptika), Rauchen, hohes Alter, Kaffee/Koffein in großen Mengen.

Was tun bei erhöhtem Wert?

  • Zuerst Ursache abklären: Vitamin B12, Folsäure, ggf. B6, Nierenwerte (GFR), Schilddrüse und ggf. Genetik (MTHFR) checken.
  • Therapie: Meist hochdosierte B-Vitamine (z. B. 400–800 µg Folsäure + 400–1000 µg B12 + B6) senken den Wert innerhalb von Wochen sehr effektiv (oft um 20–40 %). Lebensstil: Rauchen aufhören, gesunde Ernährung (viel grünes Gemüse für Folsäure).
  • Immer mit Arzt besprechen – besonders wenn andere Risikofaktoren (Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Diabetes) vorliegen.

Ein erhöhter Homocystein-Wert ist ein Warnsignal für mögliche Stoffwechselstörungen und ein unabhängiger Risikofaktor vor allem für Gefäßerkrankungen. Er ist leicht zu senken (meist durch Vitamine), aber die Interpretation und Therapie sollte immer individuell mit einem Arzt erfolgen – idealerweise zusammen mit dem Gesamtrisikoprofil (z. B. im erweiterten kardiovaskulären Check wie beim UMG-Labor).

Unser Fazit:

Wer eine sinnvolle Ergänzung zu den üblichen Blutuntersuchungen in niedergelassenen Praxen sucht, kann das UMG-Angebot in Anspruch nehmen.

Zu den Vorteilen des UMG-Angebotes zählt zudem der telefonische Anruf, sofern man das wünscht. Der erfolgt dann, wenn einzelne Werte außerhalb des Normbereichs liegen – auf diese Weise erfährt man direkt von Labormedizinerinnen oder Labormedizinern, was man womöglich von seinem Arzt oder Ärztin genauer abklären sollte.

Unser Dank:

Wir danken Prof. Dr. Med. Julie Schanz und ihrer Sekretärin Dagmar Heitmüller für die schnelle Ermöglichung des Hintergrundgespräch-Termins und für die wertvollen Informationen vor unserer Blutentnahme.

Zum Gesundheits-Check

Persönlicher Gesundheits-Check | Universitätsmedizin Göttingen


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

Gender-Hinweis. Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche, männliche und diverse Personen. Auf eine Doppel/Dreifachnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

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