MMP11: Vielversprechender Biomarker für Flüssigbiopsie bei metastasiertem Prostatakrebs

von | März 9, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein Forschungsteam am OncoRay – Nationales Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie in Dresden hat das Protein MMP11 (Matrix-Metalloproteinase 11) als potenziell hochrelevanten Biomarker für metastasierten Prostatakrebs identifiziert. Der Marker lässt sich im Blutplasma nachweisen und könnte künftig in einer minimalinvasiven Flüssigbiopsie aggressive Krankheitsverläufe, Metastasierungsrisiko und Therapieansprechen frühzeitig anzeigen.

Prostatakrebs ist mit etwa 65.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland und die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache. Während lokal begrenzte Tumoren gute Heilungschancen bieten, verschlechtert sich die Prognose bei metastasiertem Verlauf erheblich. Patienten sprechen zudem sehr unterschiedlich auf Standardtherapien wie Hormon- oder Strahlentherapie an. Verlässliche prädiktive und prognostische Marker fehlen bislang weitgehend.

Dr. Ielizaveta Gorodetska (links) und Prof. Anna Dubrovska (rechts) arbeiten an der Entwicklung eines Bluttests, der helfen kann, Krankheitsverläufe bei Prostatakrebs vorherzusagen. | Quelle: Soňa Michlíková | Copyright: Soňa Michlíková 

Die Arbeitsgruppe um Prof. Anna Dubrovska vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und der Medizinischen Fakultät der TU Dresden konnte in früheren Studien bereits zeigen, dass Aldehyd-Dehydrogenasen (ALDH1A1 und ALDH1A3) eine Schlüsselrolle bei der Regulation des Tumorzellüberlebens im Blutkreislauf, der Metastasierung und der Resistenz gegenüber Strahlentherapie spielen. In der aktuellen Untersuchung charakterisierte Dr. Ielizaveta Gorodetska den ALDH1A1/MMP11-Signalweg detailliert: Die ALDH-Enzyme regulieren das Zytokin Transforming Growth Factor Beta 1 (TGFB1), das wiederum die Expression von MMP11 steuert. Diese Signalkaskade fördert die Aggressivität und Invasivität von Tumorzellen.

Analysen großer Patientendatensätze ergaben einen engen Zusammenhang zwischen hoher MMP11-Genexpression und fortgeschrittenem, hochriskantem Prostatakrebs. Die Forscher bestätigten dies durch direkte Proteinmessungen im Blutplasma: Erhöhte MMP11-Konzentrationen korrelieren mit Metastasierung und ungünstiger Prognose, insbesondere bei Patienten mit lokaler Strahlentherapie.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass MMP11 als zirkulierender Biomarker geeignet sein könnte, um aggressive Verläufe frühzeitig zu erkennen, Therapieentscheidungen zu optimieren und den Behandlungserfolg in Echtzeit zu überwachen. Ein solcher Bluttest würde eine individualisierte, patientenschonendere Onkologie ermöglichen und Über- oder Untertherapien reduzieren helfen.

Die Studie erschien 2025 in einer internationalen Fachzeitschrift (DOI: 10.1186/s13046-025-03299-6). Die Autoren betonen, dass MMP11 nicht nur biologisch relevant ist, sondern auch klinisches Potenzial als nutzbarer Marker besitzt. Bis zur Einführung eines validierten klinischen Tests werden jedoch noch mehrere Jahre vergehen.

Ein nächster Validierungsschritt ist bereits angelaufen: In Kooperation mit dem Maria Sklodowska-Curie National Research Institute of Oncology in Polen wird MMP11 in unabhängigen Flüssigbiopsie-Kohorten aus Deutschland und Polen weiter untersucht. Die Arbeiten von Dr. Gorodetska werden hierfür durch ein eigenes Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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