Neues Forschungsprojekt PREVENT sucht nebenwirkungsarme, nicht-hormonelle Verhütungsmittel

von | März 9, 2026 | Forschung, Gesundheit

Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt, des Universitätsklinikums Bonn und der Ludwig-Maximilians-Universität München hat das Projekt PREVENT gestartet. Ziel ist die Entwicklung neuartiger, nicht-hormoneller Verhütungsmethoden für Frauen und Männer. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben bis 2029 mit drei Millionen Euro.

Die sogenannte „Pille“ galt seit den 1960er-Jahren als Meilenstein weiblicher Selbstbestimmung und war in Deutschland lange das am häufigsten genutzte Verhütungsmittel. Heute nimmt ihre Akzeptanz ab: Jüngere Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, dass seit 2023 das Kondom bei jüngeren Erwachsenen die Pille als Verhütungsmittel Nummer eins abgelöst hat. Als Gründe gelten bekannte Nebenwirkungen hormoneller Kontrazeptiva wie Übelkeit, Gewichtszunahme, Brustspannen, Bluthochdruck, Leberfunktionsstörungen oder ein erhöhtes Thromboserisiko. Zudem können bestimmte Medikamente und Präparate wie Johanniskraut die Wirksamkeit mindern, und bei manchen Vorerkrankungen ist die Pille kontraindiziert.

Nicht-hormonelle Alternativen zur Antibabypille zu finden ist das Forschungsziel des Projekts PREVENT von Goethe-Universität, Universitätsklinikum Bonn und LMU München | Quelle: Markus Bernards/KI | Copyright: Goethe-Universität Frankfurt
Nicht-hormonelle Alternativen zur Antibabypille zu finden ist das Forschungsziel des Projekts PREVENT von Goethe-Universität, Universitätsklinikum Bonn und LMU München | Quelle: Markus Bernards/KI | Copyright: Goethe-Universität Frankfurt 

Das PREVENT-Team unter Leitung von Dr. Claudia Tredup vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität setzt auf nicht-hormonelle Ansätze. Die Forschenden wollen kleine Moleküle entwickeln, die gezielt Proteine blockieren, die ausschließlich in Spermien oder Eizellen vorkommen. Dadurch könnten beispielsweise die Beweglichkeit der Spermien eingeschränkt oder andere für die Befruchtung entscheidende Prozesse unterbrochen werden, ohne in den hormonellen Regelkreis einzugreifen.

Da Verhütungsmittel gesunden Menschen verabreicht werden, müssen sie nach Angaben der Projektverantwortlichen hochzuverlässig, reversibel, sehr gut verträglich und möglichst nebenwirkungsarm sein. Um diese hohen Anforderungen zu erfüllen, soll im Rahmen von PREVENT eine Wirkstoffentwicklungsplattform aufgebaut werden. Sie umfasst Technologien und Werkzeuge zur Validierung neuer Verhütungskonzepte. Hochselektive „chemical probes“ sollen es ermöglichen, potenzielle Zielproteine gezielt zu testen und eine solide Grundlage für präklinische und spätere klinische Entwicklungen zu schaffen.

Die Forschenden knüpfen dabei an bereits bekannte Gene an, die mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen. Das Team will das vorhandene Wissen nutzen, um die entsprechenden Proteine als sichere Zielstrukturen für nicht-hormonelle Verhütungsstrategien zu etablieren. Beteiligt sind neben Dr. Claudia Tredup und Prof. Stefan Knapp (Goethe-Universität) auch Prof. Daniel Merk (LMU München), Prof. Hubert Schorle und Prof. Jean-Pierre Allam (Universitätsklinikum Bonn).

Die Projektverantwortlichen sehen in PREVENT nicht nur ein pharmazeutisches Vorhaben, sondern auch einen Beitrag zu gesellschaftlichen Zielen wie reproduktiver Selbstbestimmung und globaler Gesundheitspolitik.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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