KI-basierte Smartphone-App zur Früherkennung vernachlässigter tropischer Hautkrankheiten
Das Projekt „SkincAIr“, koordiniert von der Universidad Politécnica de Madrid und gefördert durch das EU-Programm Horizon Europe, zielt darauf ab, die Diagnose und Überwachung solcher Erkrankungen in Regionen mit knappem Fachpersonal und erschwertem Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern. Vernachlässigte tropische Hautkrankheiten treten vor allem in ländlichen Gebieten südlich der Sahara auf, werden oft zu spät erkannt und können unbehandelt zu schweren Komplikationen sowie Stigmatisierung führen.
Kern des Vorhabens ist eine von der HSLU entwickelte Künstliche Intelligenz, die Hautveränderungen auf Smartphone-Fotos analysiert und lokale Gesundheitsfachkräfte bei der Diagnose unterstützt. Ein zentraler Bestandteil ist die gezielte Sammlung von Bildmaterial dunkler Hauttypen, die in bestehenden Datenbanken stark unterrepräsentiert sind, um die KI fair und zuverlässig für alle Hauttypen zu trainieren. Die Daten stammen aus verschiedenen Regionen, Altersgruppen und kulturellen Kontexten.

Die App ist als kostenfreie, offline-fähige Software konzipiert: Analysen laufen lokal auf dem Gerät, gesammelte Daten synchronisieren sich automatisch bei Internetverbindung. Bislang wurden in einer laufenden Testphase in fünf Ländern (Kenia, Senegal, Äthiopien, Nigeria und Demokratische Republik Kongo) über 7000 Bilder von Hautveränderungen dokumentiert. Ziel ist der Aufbau der größten offenen Bildsammlung zu Haut-NTDs in Subsahara-Afrika.
Alle Daten werden unter strengen ethischen Standards, inklusive informierter Einwilligung und Anonymisierung, erhoben und weltweit Forschenden frei zugänglich gemacht. Neben der Technologieentwicklung umfasst das Projekt Schulungen für lokales Gesundheitspersonal, um die Früherkennung langfristig zu stärken.
„Unsere KI wird helfen, NTD-Hautkrankheiten früher zu erkennen, die Übertragungsrate zu senken und Patientinnen und Patienten schneller zu behandeln. Das entlastet die lokale Gesundheitsinfrastruktur entscheidend“, betont Gil Sharvit, Projektverantwortlicher an der HSLU.
Zu den Haut-NTDs zählen unter anderem durch Parasiten übertragene Erkrankungen wie Leishmaniose, Flussblindheit und Krätze. Das Projekt läuft derzeit in der Test- und Datensammlungsphase.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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