Blutwerte während Schwangerschaft: Frühwarnsystem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

von | Feb. 23, 2026 | Forschung, Gesundheit

Blutwerte während der Schwangerschaft können langfristig auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinweisen. Das zeigt eine internationale Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg. Frauen mit erhöhten Werten des Markers sFlt-1 im letzten Schwangerschaftsdrittel oder mit Schwangerschaftsbluthochdruck entwickeln später deutlich häufiger schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzschwäche – oft bereits im Alter um die 40 Jahre.

Die Ergebnisse der Langzeitstudie erschienen am 18. Februar 2026 im Fachjournal JAMA Cardiology. Beteiligt waren Forschende des Universitätsklinikums Freiburg sowie dänische Kollegen. Ausgewertet wurden Blutproben von 2.056 schwangeren Frauen aus einer großen Kohortenstudie in Süd-Dänemark mit insgesamt 38.455 Teilnehmerinnen. Die Daten wurden mit Gesundheitsverläufen über rund zwölf Jahre verknüpft. In diesem Zeitraum erlitten 28 Frauen eine schwere kardiovaskuläre Erkrankung.

Symbolbild. Credits: Pixabay
Symbolbild. Credits: Pixabay

Besonders aussagekräftig war der Biomarker sFlt-1 in Kombination mit dem Alter der Schwangeren. Diese Kombination erlaubte eine präzisere Risikoeinschätzung als herkömmliche Faktoren wie Blutdruck oder Cholesterinwerte allein. Schwangerschaftsbluthochdruck, von dem sechs bis zehn Prozent aller Schwangeren betroffen sind, gilt als häufigste Form der Präeklampsie.

Als direkte Konsequenz der Studienergebnisse hat das Universitätsklinikum Freiburg eine spezialisierte Nachsorge-Sprechstunde eingerichtet. Sie richtet sich an Frauen, die in der Schwangerschaft unter Bluthochdruck litten – unabhängig davon, ob sie dort entbunden haben. Die Sprechstunde bietet standardisierte Untersuchungen wenige Wochen nach der Geburt sowie nach einem Jahr, um frühzeitig Betreuungsbedarf zu erkennen und gezielte Maßnahmen einzuleiten.

Die Schwangerschaft sei ein natürlicher Stresstest für das Herz-Kreislauf-System, sagte Prof. Dr. Dirk Westermann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Freiburg. Frühe Hinweise aus dieser Phase könnten die langfristige Gesundheit von Frauen deutlich verbessern, da Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin die häufigste Todesursache bei Frauen seien.

Dr. Lucas Bacmeister, Kardiologe und wissenschaftlicher Leiter der Studie, koordinierte die neue Sprechstunde. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Frauenheilkunde unter Leitung von Prof. Dr. Ingolf Juhasz-Böss. Ein begleitendes wissenschaftliches Register soll die Nachsorge kontinuierlich optimieren und weitere Erkenntnisse liefern.

Original Paper:

Clinical Factors and Biomarkers During Pregnancy and Risk of Cardiovascular Disease | Cardiology | JAMA Cardiology | JAMA Network


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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