Länder starten bundesweiten Prozess zur Stärkung der Resilienz von Wissenschaft und Forschung
Angesichts zunehmender Angriffe auf die Freiheit von Wissenschaft und Forschung weltweit und auch in Deutschland haben die Bundesländer einen Prozess zur Stärkung der Widerstandskraft des Wissenschaftssystems gestartet. Den Auftakt bildete am Freitag eine Diskussionsveranstaltung in Mannheim.
Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) und Brandenburgs Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle (SPD) leiten den Prozess im Auftrag der Wissenschaftsministerkonferenz der Länder. Im Fokus steht die Analyse, wie widerstandsfähig das deutsche Wissenschaftssystem gegenüber Störungen, Angriffen und politischen Krisen ist, die auf Destabilisierung, Instrumentalisierung oder Einschränkung seiner Freiheit und Vielfalt abzielen.
Wissenschaftsfreiheit gilt als Grundpfeiler der Demokratie. Studien belegen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunehmend Anfeindungen ausgesetzt sind, insbesondere aus dem radikal rechten Spektrum. Wissenschaftseinrichtungen geraten als demokratische Institutionen verstärkt unter Druck.
Olschowski betonte, Resilienz gehe über institutionelle Vorsorge hinaus und umfasse institutionelle Stärke sowie gesellschaftliches Vertrauen in wissenschaftliche Verfahren, Integrität und Transparenz. Konkretes Eintreten für die liberale demokratische Ordnung sei in Strukturen, Kommunikation und täglichem Handeln erforderlich.
Schüle erklärte, Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit legten die Axt an die liberale Demokratie. Resilienz bedeute, Solidarität im gesamten Wissenschaftssystem zu organisieren, Verantwortlichkeiten transparent zu machen und sicherzustellen, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen auch unter Druck frei, mutig und innovativ arbeiten könnten. Bund, Länder und Einrichtungen dürften nicht auseinanderdividiert werden.

Auf dem Podium in Mannheim äußerten sich unter anderem Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Goethe-Universität Frankfurt), HRK-Präsident Prof. Dr. Walter Rosenthal, Prof. Dr. Sven Reichardt (Universität Konstanz), Jun.-Prof. Dr. Amrei Bahr (Universität Stuttgart) sowie Quentin Gärtner (Erstsemester Universität Heidelberg, ehemaliger Generalsekretär Bundesschülerrat).
Deitelhoff forderte, Artikel 5 des Grundgesetzes mit einer kollektiven Beistandspflicht zu versehen. Rosenthal unterstrich den untrennbaren Zusammenhang von Wissenschaftsfreiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und kündigte Maßnahmen zum Schutz vor wissenschaftsfeindlicher Einflussnahme sowie intensiveren Austausch mit der Gesellschaft an.
Reichardt wies auf Gefahren von oben und unten hin und betonte die Notwendigkeit gesellschaftlicher Aufklärung. Bahr kritisierte ausufernde Befristungspraxis und Kürzungen sowie fehlgeleitete Neutralitätsappelle, die das Feld für Wissenschafts- und Demokratiefeinde räumten. Gärtner plädierte für einen positiven Blick in die Zukunft und Optimismus als Bestandteil von Resilienz.
Eine zweite Veranstaltung ist für den 8. Juli 2026 im Landtag Brandenburg geplant.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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