20 Jahre Stammzelltherapie: Uniklinikum Würzburg als europäisches Vorzeigezentrum

von | Juli 7, 2025 | Forschung, Gesundheit

Vor zwei Jahrzehnten wurde das Zentrum für Stammzelltherapie am Uniklinikum Würzburg (UKW) gegründet. Heute ist es ein international anerkanntes Behandlungszentrum, das Patienten aus ganz Deutschland und dem Ausland mit innovativen Zelltherapien versorgt. Neben klassischen Eigen- und Fremdtransplantationen von Blutstammzellen setzt das Zentrum auf modernste Verfahren wie die CAR-T-Zelltherapie.

Die Medizinische Klinik II und die Kinderklinik betreiben das Zentrum gemeinsam. Bei der autologen Transplantation werden Blutstammzellen aus dem Blut oder Knochenmark der Patienten selbst gewonnen, während bei der allogenen Variante Spenderzellen genutzt werden. Erwachsene werden vor allem bei bösartigen Erkrankungen wie akuten Leukämien, Lymphomen oder Multiplem Myelom behandelt, wobei letzteres einen Schwerpunkt der autologen Transplantation darstellt. Bei Kindern und Jugendlichen kommen Blutstammzelltransplantationen zunehmend auch bei nicht-bösartigen Bluterkrankungen zum Einsatz, oft in Kombination mit anderen Immuntherapien. Dank gestiegener Verfahrenssicherheit hat sich die Behandlung etabliert.

Für allogene Transplantationen ist ein Spender mit passenden Gewebemerkmalen entscheidend. In Deutschland sind über zehn Millionen potenzielle Spender registriert, weltweit 41 Millionen, wodurch die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender zu finden, bei über 90 Prozent liegt. Sollte kein optimaler Spender verfügbar sein, können im UKW suboptimale Spenderzellen unter Reinraumbedingungen aufbereitet werden – eine Leistung, die nur wenige Zentren in Deutschland bieten. Pro Jahr führt das Zentrum etwa 120 allogene und bis zu 200 autologe Transplantationen durch, ein Spitzenwert in Deutschland.

Das GMP-Zelltherapielabor des Zentrums für Stammzelltherapie am Uniklinikum Würzburg versorgt Uniklinika in Deutschland mit Stammzellpräparaten. | Copyright: Daniel Peter / UKW
Das GMP-Zelltherapielabor des Zentrums für Stammzelltherapie am Uniklinikum Würzburg versorgt Uniklinika in Deutschland mit Stammzellpräparaten. | Copyright: Daniel Peter / UKW

Seit 2019 ergänzt das Zentrum für zelluläre Immuntherapie (ZenITh) die Arbeit durch innovative Ansätze wie die CAR-T-Zelltherapie. Dabei werden körpereigene T-Lymphozyten im Labor mit einem künstlichen Rezeptor ausgestattet, der sie befähigt, Tumorzellen gezielt anzugreifen. Diese Therapie ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Behandlung von Leukämien, Lymphomen und Multiplem Myelom und wird oft mit Blutstammzelltransplantationen kombiniert. Jährlich führt das UKW rund 100 CAR-T-Zelltherapien bei Erwachsenen und etwa fünf bei Kindern durch, was es zum führenden Zentrum dieser Art in Europa macht.

Das Zentrum entstand 2005 mit der Einweihung eines Neubaus, finanziert vom Freistaat Bayern und der Bundesrepublik Deutschland. Eine Spendenaktion der „Aktion Stammzelltherapie“, initiiert von der Würzburger Geschäftsfrau Gabriele Nelkenstock und unterstützt von der Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg, sammelte über 500.000 Euro und gab den Anstoß für die Finanzierung. Das hauseigene GMP-Zelltherapielabor versorgt nicht nur das UKW, sondern auch andere Kliniken mit maßgeschneiderten Stammzellpräparaten und dient als Logistikdrehscheibe für CAR-T-Zellen. Im Herbst 2025 soll ein neues Reinraumlabor eröffnet werden, um CAR-T-Zellen für klinische Studien selbst herzustellen.

Die Forschung konzentriert sich auf die Weiterentwicklung der CAR-T-Zelltherapie, insbesondere in Kombination mit allogenen Transplantationen und für solide Tumoren. Klinische Studien prüfen neue Zielstrukturen und die Anpassung der T-Zellen an das Tumorumfeld, um deren Überleben und Wirksamkeit zu verbessern. Jüngst wurde eine Studie zu Hirntumoren bei Kindern abgeschlossen, und eine neue Studie zu soliden Tumoren und Lymphomen bei Erwachsenen gestartet. Neue Professuren und Arbeitsgruppen, unter anderem mit internationalen Experten, unterstreichen die Verankerung der Zelltherapie am UKW. So profitieren Patienten in der Region von modernsten Therapieansätzen.

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Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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