Zucker als unterschätzter Entzündungstreiber: DGZMK fordert breitere Prävention

von | März 6, 2026 | Forschung, Gesundheit

Anlässlich des Tags der gesunden Ernährung am 7. März mahnt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) zu einem erweiterten Präventionsansatz gegen übermäßigen Zuckerkonsum. Zucker gilt nicht nur als Hauptauslöser von Karies, sondern fördert nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen auch entzündliche Prozesse im Mundraum und im gesamten Organismus.

Trotz guter Mundhygiene können die negativen Folgen eines dauerhaft hohen Zuckerkonsums nicht vollständig ausgeglichen werden. In Deutschland ist der Kariesanteil bei Zwölfjährigen dank langjähriger Präventionsmaßnahmen und Fluoridierung auf etwa 22 Prozent gesunken – 78 Prozent der Kinder sind kariesfrei. Gleichzeitig liegt der durchschnittliche tägliche Zuckerkonsum der Bevölkerung bei rund 100 Gramm und damit etwa viermal so hoch wie die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Obergrenze von 25 Gramm freiem Zucker.

Die DGZMK verweist darauf, dass anhaltend hoher Zuckerkonsum auch bei sorgfältiger Zahnpflege Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Parodontitis begünstigt. Darüber hinaus besteht ein enger Zusammenhang mit weit verbreiteten Volkskrankheiten wie Typ-2-Diabetes, Adipositas und kardiovaskulären Erkrankungen. Chronische niedriggradige Entzündungen werden als gemeinsamer Risikofaktor für diese Erkrankungen sowie für bestimmte Krebserkrankungen und Demenz angesehen.

Zu viel Zucker in der Nahrung begünstigt eine ganze Reihe von Krankheiten - von Autoimmunkrankheiten und Alzheimer bis hin zu Krebs, und Herz-Kreislauf-Krankheiten. (Credits: Polina Tankilevich/pexels)
Zu viel Zucker in der Nahrung begünstigt eine ganze Reihe von Krankheiten – von Autoimmunkrankheiten und Alzheimer bis hin zu Krebs, und Herz-Kreislauf-Krankheiten. (Credits: Polina Tankilevich/pexels)

Metaanalysen und klinische Studien belegen, dass eine deutliche Reduktion freier Zucker mit signifikant geringerer Zahnfleischentzündung einhergeht. Bereits eine vierwöchige zuckerarme, entzündungshemmende Ernährung kann Zahnfleischbluten spürbar verringern – teilweise sogar ohne zusätzliche Mundhygiene. Historische Zahnsteinuntersuchungen und Experimente mit steinzeitähnlicher, zuckerarmer Ernährung zeigen zudem, dass das moderne Mundmikrobiom maßgeblich durch Industrialisierung und steigenden Zuckerkonsum verändert wurde.

DGZMK-Präsident Prof. Dr. Dr. Peter Proff fordert, Prävention über die klassische Mundhygiene hinaus zu denken und strukturelle Maßnahmen zur Senkung des Zuckerkonsums in der Bevölkerung zu ergreifen. Mundgesundheit sei ein integraler Bestandteil der Allgemeingesundheit.

Prof. Dr. Johan Wölber, Leiter Parodontologie am Universitätsklinikum Dresden, unterstreicht, dass Ernährung den entscheidenden Einfluss auf die Mundgesundheit habe. Er plädiert für eine gesellschaftliche Haltung gegenüber Zucker ähnlich der Entwicklung beim Tabakkonsum und sieht in einer Zuckersteuer auf Getränke ein wirksames Instrument. Im Vereinigten Königreich führte eine solche Steuer zu einer Reduktion des Zuckergehalts in Softdrinks um 29 Prozent, während freiwillige Vereinbarungen in Deutschland nur zu einer Senkung um 2 Prozent geführt hätten.

Die DGZMK sieht dringenden gesundheitspolitischen Handlungsbedarf, um den Zuckerkonsum nachhaltig zu reduzieren und Prävention ganzheitlicher auszurichten.


Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR

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