Viele norwegische Mütter nehmen Nachsorgeuntersuchung nach Geburt nicht wahr
Eine Studie der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) zeigt, dass jede vierte Frau in Norwegen die kostenlose Nachsorgeuntersuchung sechs Wochen nach der Geburt beim Hausarzt nicht in Anspruch nimmt. Besonders besorgniserregend ist, dass Frauen mit chronischen Erkrankungen, Risikoschwangerschaften oder Geburtskomplikationen nicht häufiger teilnehmen, obwohl sie ein erhöhtes Gesundheitsrisiko tragen.
Die Untersuchung von Christine Agdestein, Hausärztin und Promovendin an der NTNU, basiert auf einer Fragebogenumfrage unter 351 Frauen aus der Region Nord-Trøndelag, die innerhalb eines Jahres entbunden hatten. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Norwegen. Teilnehmende Frauen waren größtenteils zufrieden, wenn sie über das Geburtserlebnis sprechen konnten, viele relevante Themen besprochen wurden und eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt wurde.

Als wichtigste Themen nannten die Frauen das Geburtserlebnis (61 Prozent), Empfängnisverhütung (55 Prozent), Stillen (53 Prozent), geburtsbedingte Beckenverletzungen (52 Prozent) und psychische Gesundheit (40 Prozent). Diese Themen wurden auch am häufigsten angesprochen. Psychische Gesundheit gewinnt an Bedeutung, da postpartale Depressionen in Norwegen zunehmen.
Gründe für das Fernbleiben sind fehlender Hausarzt, die Annahme, eine Untersuchung sei unnötig, Unzufriedenheit mit früheren Besuchen oder Unkenntnis des Angebots. Nur 44 Prozent erhielten Informationen auf der Geburtsstation, 52 Prozent von Hebammen. 32 Prozent wussten nicht, dass die Beratung kostenlos ist – Kenntnis davon erhöht die Teilnahmebereitschaft. Viele Frauen wünschen eine gynäkologische Untersuchung, die jedoch nicht immer angeboten wird; Hausärzte sollten sie proaktiv vorschlagen.
Die Forscher empfehlen bessere Information während Schwangerschaft und auf der Geburtsstation, inklusive schriftlicher Materialien. Ein Folgeprojekt entwickelt ein Tool, das Hausärzte und Frauen gemeinsam nutzen, um Themen zu priorisieren und die Beratung individuell anzupassen.
Original Paper:
https://link.springer.com/article/10.1186/s12875-025-02992-x
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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